S.Y. Brynja´s Blog

Schlendern unter Segeln


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Von Enkhuizen zu den Marker Wadden

Fr.,17.09.21, 12.55-15.10

Der Tag beginnt mit schlechter Sicht, fast nebelig.

Vorhergesagt ist wenig südlicher Wind. Wir haben uns für ein nicht weit entferntes Ziel entschieden, die Marker Wadden. Wir waren dort noch nie. Das sind ein paar künstliche Inseln im Markermeer, vor wenigen Jahren erst entstanden. Ein ambioniertes und vielfältiges Projekt, da muss ich ausnahmsweise mal auf Wikipedia verweisen.

Wir müssen durch das Navidukt, das ist eine Art Schleuse, unter der auch eine Straße verläuft. Das verläuft bei so wenig Wind problemlos, einer macht gar nicht erst fest.

Gleich nach der Schleuse setzen wir die Segel. Zunächst wird die Sicht noch schlechter, dann regnet es eine Stunde lang. Im Schutz der Sprayhood und dank der neuen Fernbedienung für den Autopiloten stört uns das nicht. Wieder fällt uns auf, dass unser Windmesser offenbar zu niedrige Werte anzeigt.

Mit dem Ende des Regens sind wir auch schon an den Marker Wadden.

Der Empfang durch eine Hafenmeisterin und ihre Kollegen ist überaus freundlich, das haben wir selten so erlebt. Zu den 18 € Liegegeld muss man noch 6 € Gebietsbeitrag bezahlen. Davon wird unter anderem das Personal bezahlt, wie uns einer der Hafermeister erklärt.

Es gibt hier tagsüber Restauration mit einer schönen Terrasse und Strand.

Toiletten und Duschen gibt es, Strom und Wasser nicht. Sogar Handynetz und WLAN sind sehr brauchbar. Eigenen Abfall und Abwasser muss man wieder mitnehmen. Alles ist möglichst öko gehalten. Gebrauchswasser wird aus dem Markermeer aufbereitet und nach biologischer Klärung auch wieder dorthin entsorgt.

Mittlerweile ist es sommerlich und natürlich machen wir gleich einen Rundgang. Das Kapuzenhaus ist der Aussichtsturm.

Von dort aus hat man den erwarteten guten Überblick.

Es gibt einen kleinen Naturcampingplatz, der offenbar bei Seekajakfahrern beliebt ist.

In der Ferne sieht man Sünden der Zivilisation, hier die Wohntürme in Almere.

Hier ist man in einer völlig anderen Welt.

Die Verbindungen zwischen beiden Welten werden zumindest teilweise mit passenden Schiffen hergestellt.

Viele Tagestouristen werden aber auch mit hochmotorisierten Booten und Schiffen herangeschafft. Es gibt eine Art Helgoland-Effekt. Sobald die Tagestouristen noch nicht da oder wieder weg sind entsteht eine eigene Stimmung.

Auf Anhieb sehen wir, leider recht weit weg, einen Seeadler.

Zur Beobachtungen von Vögeln wurden Unterstände mit sichtgeschützter Annäherung gebaut.

Abends im Cockpit mache ich Zoomaufnahmen unseres Windmessers. Zu sagen „er spinnt“ könnte buchstäblich zutreffen. Das Foto ist entstanden, während sich das Schaufelrand zügig dreht. Eingefroren durch die kurze Belichtung kann man die ausgeprägten Spinnenfäden am Gerät erkennen. Gut möglich, dass die Fehlanzeige damit zu tun hat.

Für nächstes Wochenende ist heftiger Sturm vorhergesagt. Wir wollen uns einen Platz suchen, wo der uns den Windmesser wieder freiblasen kann.


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Ginkies und Geschichte

Do., 16.09.21, 12.40-16.40

Up Urk sagen die Leute hier statt in Urk, schließlich war man mal eine Insel. Das ist erst knapp 90 Jahre her und hier halten sie auf Traditionen. Für uns Besucher ist es natürlich schön, dass sich äußerlich so wenig ändert. Am markantesten wohl der 180 Jahre alte Leuchtturm.

An der Gedenkstätte für Fischer, die auf See geblieben sind, kommen auch in unserer Zeit noch Namen hinzu.

Der Friedhof wirkt nüchtern, die Gräber eng an eng wie die Häuser der Lebenden.

Ich streife durch die Ginkies, so heißen die schmalen Gassen hier.

Häufig öffnet sich der Blick in Richtung Hafen, um den sich hier immer schon alles gedreht hat.

Hier wurden Netze und Segel bearbeitet.

Ich finde neue Tafeln mit Erläuterungen und Erzählungen zur Vergangenheit von Urk. Die Zeit des 2.Weltkriegs nimmt viel Raum ein und der aktive Widerstand der Urker wird betont. Selbst aus der Zeit des kalten Krieges gibt es einen Beitrag, die Fundamentreste eines Turmes zur Luftraumbeobachtung, der von den 50-er bis zu den 60-er Jahren in Urk stand. Er war Teil eines ganzen Netzes derartiger Türme. Ein eher kurioser Beitrag zur Geschichte.

Für heute habe ich mich hier genug herumgetrieben, wir fahren weiter. Noch im Hafen setzen wir die Segel, Wind gibt es genügend. Heute haben wir uns mal ein Ziel gesetzt: Enkhuizen. Wir kreuzen gegen westliche Winde um 5 an. Zunächst ist es dank der fiesen IJsselmeerwelle recht holprig, aber gen Westen wird es komfortabler. Insgesamt schönes sonniges Segeln. Wie es uns am liebsten ist finden wir ein Plätzchen im Buitenhaven.

Ich mache einen kurzen Rundgang durch die Stadt. Weder im Buitenhaven noch im Compagnieshaven ist viel Betrieb.