S.Y. Brynja´s Blog

Schlendern unter Segeln

…zur Navigation mit Tablet und PC

(Update 31.12.2018 ganz unten)

Diese Anmerkungen beziehen sich teilweise auf ein Seminar des Segeln-Forums am 28.11.2015. Deshalb gibt es Verweise, die sich auf die Dokumentation dieses Seminars beziehen.

Der Link dazu.

Manche Software gibt es für PC, Windows-, Apple- oder Android-Tablet. Für Windows-RT-Tablets gibt es kaum etwas. Vieles läuft auch mit Linux, auf dem Mac braucht es eben ein Windows-Fenster.
Verallgemeinernd kann man sagen, dass die PC-Versionen am üppigsten ausgestattet sind. Ipad-Versionen sind wiederum etwas besser ausgestattet als Android-Versionen und laufen etwas geschmeidiger, sofern es von einer App überhaupt beide Varianten gibt.

Den PC wird man in der Regel am Kartentisch betreiben, wo es mit Helligkeit des Displays, Spiegelungen und Stromversorgung keine Probleme gibt. Ein PC verbraucht deutlich mehr Strom als ein Tablet.
Beim Tablet ist es ein sehr helles Display wünschenswert, über 400 oder sogar 500 candela sind sinnvoll. Die Entspiegelung ist nicht so wichtig, weil mit einer reflexhemmenden Folie mühelos zu erreichen. Wasserdichtigkeit ist ideal und wird mittlerweile von verschiedenen Herstellern angeboten. Die Unterbringung in wasserdichten Hüllen funktioniert auch, dann kann es aber bei Hitze Probleme geben und das gute Stück schaltet sich ab. Traditionell passiert so etwas dann, wenn man es am wenigsten gebrauchen kann.
Lange Laufzeiten und/oder wechselbarer Akku machen weitgehend unabhängig von Bordstrom. Andererseits ist es in der Praxis auch kein Problem, über dem Niedergang oder geschützt am Steuerstand eine 12 V-Steckdose anzubringen. Entgegen aller grauen Theorie habe ich gute Erfahrungen mit schlichten Zigarettenanzünder-Steckdosen gemacht. Sie haben sich als robust gegen Wasser erwiesen und sind leichter als die engen Norm-Steckdosen zu trocknen und zu reinigen, falls Feuchtigkeit doch einmal ihren Weg gefunden hat. Außerdem kann man dann handelsübliche Ladekabel zur Stromversorgung verwenden.

Es ist wichtig, dass sowohl Steckdose als auch Ladekabel leistungsfähig sind, 2,1 A sind ideal. Dann wird das Gerät sogar im laufenden Betrieb aufgeladen. Wenn man nur 0.5 A hat wird das Gerät trotz Bordstrom leer gelutscht. Das kann man ausprobieren oder ein Messgerät benutzen.
Ob man das Tablet, bzw. sein Display überhaupt ständig eingeschaltet haben muss ist Geschmacksache. Mancher moderne Segler fühlt sich ohne den jederzeit möglichen Blick auf die elektronische Karte unsicher.

Apps gibt es in Hülle und Fülle, oft sogar kostenlos.

Mit Karten ist es für europäische Gebiete leider nicht so einfach. Sie kosten Geld. Zwar nur einen Bruchteil dessen, was man für Plotter-Karten ausgeben muss, aber manchen stört auch das noch. Deshalb gibt es gar nicht so wenige Segler, die selbst eingescannte Karten benutzen oder die bekannten CM93-Kartensätze “vom russischen Stegnachbarn”. Es gibt natürlich auch noch andere Quellen, manchmal sollte allerdings eine gewisse Risikofreudigkeit vorhanden sein…

Die navigatorischen Grundbedürfnisse werden praktisch von allen Produkten bedient:

  • Positionsanzeige

  • Vorauslinie

  • Trackaufzeichnung

  • Wegepunkte

  • Distanz- und Winkelmessungen.

Das reicht im Grunde völlig aus.

Weitere Features sind allerdings je nach Fahrtgebiet und persönlichem Geschmack wünschenswert, vor allem:

  • AIS-Darstellung

  • Ankeralarm

  • Wind-Gribs

  • Strömungs-Gribs.

Natürlich läßt sich diese Liste beliebig erweitern.

Ein wichtiger Punkt ist die Aktualität der Karten. Updates bedeuten nicht unbedingt, dass tatsächlich alle Aktualisierungen übernommen werden.
In diesem Zusammenhang muss erwähnt werden, dass nicht alle Seegebiete jedes Jahr neu vermessen werden. Bei den niederländischen Karten findet man Informationen darüber beispielsweise auf der Rückseite des Deckblattes:

Datenalter

In der Regel kann man nicht erkennen, bis zu welchem Datum die Karten wirklich aktuell sind, löbliche Ausnahmen sind o-charts für open CPN und iSailor.

Die meisten Aktualisierungen beziehen sich auch nur auf die Betonnung. Komplexe Änderungen, für die es bei Papier-Seekarten aufklebbare Patches gibt, werden meistens erst bei der jährlichen Neuauflage berücksichtigt. Hoffentlich, auch darauf kann man sich nicht verlassen.
Rühmliche Ausnahme ist hier Stentec (WinGPS), die spätestens wöchentlich aktualisieren und tatsächlich auch die Daten der BaZ (Berichten aan Zeevarenden) und (leider unzuverlässig) NfS (Nachrichten für Seefahrer) übernehmen.
Beide Informationsquellen kann man übrigens kostenlos auch privat abonnieren, die Links stehen auf der Linkseite.

WaypointsGPS aktualisiert etwa zweiwöchentlich, iSailor vierteljährlich, NV etwa monatlich.
Navionics macht vollmundige Versprechungen, die sich leider in den Karten nicht niederschlagen. Manche Stellen sind blitzaktuell, andere Jahre alt. Auch die regelmäßige Prüfung und ggf. Übernahme von Infos der Community ist eher grautheoretisch.
Die grundlegenden Funktionen von Navigations-Apps wurden am Beispiel von OpenCPN bereits dargestellt.

Ergänzend stelle ich hier exemplarisch ein paar Apps mit ihren Besonderheiten vor, zunächst zum Vergleich der Optik Ausschnitte der Ems bei Borkum:

Anhang 8

Anhang 17

Anhang 11

Anhang 12

Anhang 18

Anhang 16

Anhang 19

NV

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WinGPS lite PC

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WaypointsGPS Basis

WaypointsGPS NV

Update 17.12.2017:

Navionics:

Es hat sich nicht viel Wichtiges geändert, vor allem findet man nach wie vor ganz aktuelle Tonnen-Positionen gleich neben drei Jahre alten Darstellungen. Der Windpark zwischen Lemmer und Urk existiert hier beispielsweise noch nicht. (Edit: Ich habe Navionics auf diesen Fehler hingewiesen. Nach einer Woche war er behoben, samt Feedback an mich. Allerdings gibt es auf den Navionics – Karten noch viele weitere Fehler.) Manche davon seit Jahren und vielfach gemeldet.

Navionics hatte in den letzten Jahren immer wieder vage Hoffnung gemacht, es wäre eine AIS/NMEA Funktion in Entwicklung. Jetzt wurde definitiv gesagt, dass solche Aussagen einzelner Mitarbeiter nicht stimmen. Derartige Erweiterungen sind nicht geplant!

iSailor:

Immer noch die Darstellungsprobleme beim Zoomen, gute Strömungsdarstellung. Installation auf beliebig vielen Geräten.

UPDATE 31.12.2018:

Nachdem Transas von Wärtsilä übernommen wurde gibt es keine kostenlosen Updates mehr, sondern ein Modell mit jährlicher Zahlung. Soweit normal, aber Vorsicht scheint geboten! Das Abo scheint sich automatisch jedes Jahr zu verlängern, wenn man das nicht ausdrücklich verhindert. Die Zukunft bleibt abzuwarten.
Auf massiven weltweiten Druck der Kundschaft hin gibt es jetzt weiterhin kostenlose Aktualisierungen für bereits (bis August 2018) gekaufte Karten. Das neue Modell gilt für danach gekaufte Karten.
Wie es mit Kartenfolios, Abdeckungen, Aktualisierungshäufigkeit und Preisen wirklich aussieht ist noch nicht erkennbar. Bei Android ist von der Wärtsilä-Übernahme überhaupt noch nichts zu sehen.

OpenCPN:

Hier hat sich Entscheidendes getan! Bisher war ich damit nicht warm geworden, weil ich keine Lust und Kenntnisse zum IT-Basteln hatte. Mittlerweile bietet OpenCPN eigene Karten (o-charts) zu einem sehr günstigen Tarif an. es handelt sich um die Original-Daten der offiziellen Anbieter in den jeweiligen Ländern.
Die deutschen Karten werden wöchentlich aktualisiert, d.h. sie geben den wochenaktuellen Stand der BSH Karten wieder.
UK, BE, NL sind vierteljährlich. UKHO arbeitet daran, die Zeiträume zu verkürzen.
FR und NO sind ebenfalls wöchentlich. Das bedeutet, dass im kombinierten Frankreich/UK Satz die FR Karten wochenaktuell und die UK Karten quartalsaktuell sind.Soweit bisher feststellbar schlagen sich die Aktualisierungen auch tatsächlich auf den Karten nieder und sind nicht nur Werbe-Angaben. Die Software ist intuitiv bedienbar, also auch durch mich. Hinsichtlich Service und Support ist dieser Anbieter einzigartig (und deutschsprachig). Es handelt sich eben um ein Community-Projekt, Mitmacher sind herzlich willkommen! Konstruktive Ideen auch.Möglichkeiten zum zum individuellen Einstellen gibt es mehr als bei jedem anderen Anbieter. Abgedeckt werden D, NL, B, F, GB, DK, PL, Schweden, Norwegen, Grönland, Island, Finnland, Färöer, Karibik, Australien, Kroatien und Spanien. Wird zügig erweitert. Man kann die Lizenzen auf maximal zwei Geräten verwenden. Wenn ein Gerät neu aufgesetzt wird ist die Lizenz schon futsch.

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Eine weitere App, die für uns interessant sein könnte ist iNavX. Sie bietet das übliche Jahres-Abo und echte AIS-Darstellung. In der Vergangenheit konnte man Navionics, NV, DK und Soltekniks-Karten über iNavX kaufen und verwenden, Derzeit wird nur noch Navionics angeboten. Auf Nachfrage wurde mir erklärt, dass man in Verhandlungen mit den anderen erwähnten Anbietern sei.
Zu den Preisen wurde gesagt, dass jährliche Updates wahrscheinlich nicht billiger als der normale Kauf sein werden. Zu den Aktualisierungs-Zeiträumen während der Abo-Laufzeit konnte nichts gesagt werden.
Die Karten können nach Ablauf des Abos weiterhin in vollem Umfang benutzt werden, eine Neuinstallation ist allerdings dann nicht mehr möglich.

Update 24.01.2019:

Ich habe iNavX ausprobiert und den Kauf schnell wieder rückgängig gemacht.
Der Kartensatz Navionics UK/B/NL/D kostet nicht, wie im Store angegeben (aus $ umgerechnet) ca. 52 €, sondern 69.99 €.
Er gilt nicht, wie angegeben, für zwei, sondern nur für ein Gerät.
Die Karten haben schon auf den ersten Blick massive Fehler. So fehlt z.B. der Windpark zwischen Lemmer und Urk komplett.
Geworben wird übrigens immer noch mit der Verfügbarkeit aller möglichen Kartenformate. Schade um so ein gutes Produkt!

Die Supports von Navionics und iNavX schieben sich die Verantwortung gegenseitig zu.

Technorati-Markierungen: ,,,,,,

Ein Kommentar zu “…zur Navigation mit Tablet und PC

  1. der Vergleich ist wirklich hochinteressant. Die PC-Variante muss mittlerweile kein Stromfresser mehr sein. Mit der CSL Narrow Box 4GB habe ich ein Windows System, das zusammen mit Monitor 12V/10W verbraucht. Damit ist man relativ lange unter Segel stromunabhängig

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