S.Y. Brynja´s Blog

Schlendern unter Segeln

Sommerurlaub in der Birkenallee

 

Mi., 09.07.2014

Letzter Bürotag! Ab nach Hause, Regine sitzt schon auf dem fertigen Gepäck.

Um halb fünf kommen wir los, bei 16°. Eine halbe Stunde später, in Höhe Osnabrück, sind es schon 23° und die Luft fühlt sich nach Urlaub an. Wir sind der Warmfront entgegen gefahren und hoffen, dass uns Sommerwetter für die nächsten vier Wochen bevorsteht. In Holland erreichen wir ein Gebiet mit leichtem Regen, aber das kann die Laune nicht beeinträchtigen. Es macht nur das Ausladen ein bisschen umständlicher.

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Wir sind immer noch gespannt, wohin wir fahren werden. Wir werden uns, wie so oft, hinter der Ketelbrücke entscheiden, in welche Richtung es geht.

 

Do., 10.07.2014 Stavoren

Als wir heute wach werden sind die Wolken so gut wie weg, richtiges Sommerwetter. Wir segeln los. Der Wind kommt ziemlich schlapp aus Nordost, zweimal bleibt er ganz weg und wir motoren eine Viertelstunde. Nachmittags dreht er auf West und bleibt immerhin beständig. Wir kreuzen gemächlich gen Norden, schönes faules Sommersegeln. Das Boot steuert sich auf solchen Kursen von selbst, so dass wir viel Zeit zum Lesen haben.P1040985 (Medium)

Wir übernachten in Stavoren, in der Außenmarina. Abends gehen wir die obligatorische Runde durch den Ort. Landeinwärts sind Gewitter sichtbar, kein Wunder bei solchem Wetter.

 

 

Fr., 11.07.2014 Makkum

Der Tag geht fast windfrei los, das kann der Preis für so schönes Wetter sein. Wir segeln los, aber es ist mehr ein Dümpeln. Nacheiner halben Stunde geben wir auf und starten den Motor für eine halbe Stunde, bis es wenigstens minimal Wind gibt. Unter diesen Umständen reicht uns Makkum als Tagesziel. Diesmal liegen wir im kleinen Hafen des örtlichen Wassersportvereins, direkt am Kanal.

WP_20140711_005 (Medium)WP_20140711_023 (Medium)WP_20140711_027 (Medium)Da sitzen wir in den Faltstühlen auf dem Vordeck, Füße in einem Eimer Wasser, und lassen die einlaufenden Boote an uns vorbeiziehen. An dem Hafen fahren die meisten vorbei, dabei hat er für unseren Geschmack eine sehr angenehme Stimmung und tadellose Einrichtungen. WP_20140711_034 (Medium)Weil Freitag ist bekommen wir noch zwei Verzehr-Bons für einen abendlichen Besuch im Clublokal. Aber uns gefällt es gerade so gut auf dem Boot

Landeinwärts gibt es wieder Gewitter, gerade weit genug weg. Der nächste Tag soll wieder ohne verwertbaren Wind werden. Veränderliche Winde zwischen eins und drei nennt der Wetterbericht das in schonender Umschreibung. Wir wollen aber wenigstens endlich vor den Deich, auf eine der Inseln. Dort fängt der Urlaub erst richtig an.

 

 

Sa., 12.07.2014 Terschelling

Der Wetterbericht scheint zu passen. Wir tanken noch eben voll, das geht an der Pyramiden-Marina nebenan mit Karte rund um die Uhr. Danach geht es die Meile rüber zur Schleuse Kornwerderzand. Ausnahmsweise können wir sofort in die Kammer einfahren, werden zügig geschleust und sind nach zwanzig Minuten im Wattenmeer. WP_20140712_008 (Medium)Das dauert sonst wesentlich länger. Immer noch kein Wind. Wir nehmen den kürzesten Weg via Zuidoostrak, Inschot und Slenk. Ab und zu versuchen wir, zu segeln, aber der Windhauch reicht einfach nicht dafür. WP_20140712_009 (Medium)Dafür ist es heißer als wir es haben müssten. In Vlieland waren wir diese Saison schon, deshalb ist diesmal Terschelling dran. Außerdem ist das ein besserer Startplatz für weitere Ziele in Ostrichtung. Zunächst gehen wir bei einem anderen Boot ins Päckchen, aber nachmittags fährt der ab und wir liegen direkt am Steg. WP_20140712_011 (Medium)Prima, das erleichtert das Entladen der Fahrräder. Wir drehen eine Runde durch den Ort, es scheint sich nichts verändert zu haben. Natürlich gibt es den traditionellen Stopp im Walis. Das ist ein kultiges Café am Westende von Terschelling, mit Blick auf Vlieland.WP_20140712_016 (Medium)

 

 

So., 13.07.2014 Hafentag

Wieder ein praller Sommertag, viel Sonne, wenig Wind. Gute Voraussetzungen für eine ausgiebige Radtour. Abends fahren wir in den Ort, um irgendwo das Endspiel der Fußball-WM zu sehen. Aber von wegen, das scheint niemanden groß zu interessieren. Kein Public Viewing, keine vollen Kneipen, keine Stimmung. Schließlich entscheiden wir uns für eine loungeartige Kneipe am Hafen. WP_20140713_022 (Medium)Da sitzen wenigstens ein paar Leute vor einem großen TV-Bildschirm. Nach und nach kommen sogar noch ein paar Leute dazu. Die Bedienung geht nach einiger Zeit herum und warnt die Gäste vor, dass pünktlich um elf dicht gemacht wird. Ganz unabhängig vom Verlauf des Fußballspieles! Sie meint das ernst! WP_20140713_023 (Medium)Trotz Verlängerung wird um elf dicht gemacht. der Wirt scheint Probleme mit den Nachbarn und keine Lust auf eine Geldbuße zu haben. Hinter uns sitzt ein belgisches Paar. Sie sind völlig konsterniert. So etwas wäre in Belgien undenkbar, sagen sie.

Wir radeln zurück in den Hafen, das ist nicht weit. In der Halle des Hafengebäudes hat jemand seinen Laptop auf dem Tisch stehen und schaut sich das Spiel an. Bald wird er von zwanzig oder dreißig Leuten umlagert, die so wenigstens noch den Rest des Spieles und die Entscheidung sehen können.WP_20140713_026 (Medium)

 

 

Mo., 14.07.2014 Ameland

Heute wollen wir durchs Watt nach Ameland. Das bedeutet, nicht ausschlafen zu können. Die Strecke fällt stellenweise bei Niedrigwasser trocken und diese Abschnitte kann man nur passieren, wenn der Wasserstand am Höchsten ist. Da muss man vorher Tüfteln und Rechnen. Diesmal hält sich das aber in Grenzen, weil es keine Alternativrouten zu berücksichtigen gibt.

Wir fahren um acht los. Erst ist einiges Rangieren nötig, weil sich noch drei Boote bei uns ins Päckchen gelegt haben. Denen hatte ich aber am Tag vorher Bescheid gesagt. Es gibt ein munteres Rangieren, aber ganz entspannt. Der Wind meint es gut mit uns, NW, später W 4, zuletzt 3. Also brauchen wir den Motor nur für die Häfen. Das ist im Watt keine Selbstverständlichkeit, weil die Streckenführung oft sehr kurvig ist.
P1050017 (Medium)Solche Pricken darf man nicht mit denen für das Fahrwasser verwechseln. Es sind Markierungen der Fischer.

 

Diesmal ist es aber ganz simpel, wir fahren nur mit Genua. Das ist hinterher ein bisschen wenig Segelfläche, aber ich habe Regine faules Segeln versprochen und daran erinnert sie mich erbarmungslos, wenn ich das Groß setzen will. Ich möchte nicht von allzu vielen Booten überholt werden, denn der Hafen von Ameland ist klein. Es ist bedeckt und warm, unterwegs gibt es mal ein paar Tropfen Regen.

Mittags sind wir da. Wir müssen bei so einem Zwitter aus Segelboot und Motorboot (McGregor 26) längs gehen. Diese Dinger sind für uns unerfreulich. Durch ihre Form sind sie beim Rüber klettern mühsam. Alles ist spillerig dimensioniert, man weiß gar nicht wo man die Leinen festmachen kann. Auch beim Rüber klettern weiß man nicht, woran man sich festhalten kann, ohne etwas abzubrechen oder zu verbiegen Die Leute auf diesem Boot sind aber nett und entspannt. Wir sind viertes Boot im Päckchen. P1050058 (Medium)Schlick und Gezeiten bestimmen die Ansichten in solchen Häfen.

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Di., 15.07.2014 Hafentag

Wir hatten uns vorgenommen, bei passendem Wind mal Pedelecs zu mieten. Das sind Fahrräder mit eingebautem Rückenwind, also einem Elektromotor, der beim Treten unterstützt. Heute soll Windstärke 5 sein, also genau richtig zum Testen. Wir fahren eine Runde um die ganze Insel, 50 km. Das hätten wir uns bei diesem Wind mit den Falträdern nicht angetan! Bei Gegenwind hat man unwillkürlich ein fettes Grinsen im Gesicht.

Aber für den Bordgebrauch käme so etwas nicht in Frage. Es gibt zwar auch nette Falt-Pedelecs mit 20 Zoll-Rädern, aber die wiegen zwischen 20 und 25 kg. Unsere normalen Falter wiegen knapp 13 kg. Mehr möchte ich auch nicht handhaben müssen. Schließlich packen wir die Räder oft auch für „mal eben“ aus oder beim Päckchenliegen muss ich damit über mehrere Boote turnen. Ich denke, die Technik wird sich zügig weiter in Richtung Gewichtsverminderung entwickeln. Dann passt das auch altersmäßig besser.P1050065 (Medium)WP_20140715_006 (Medium)

Regine kennt Ameland noch nicht und ist mächtig angetan. Spontan verliert Vlieland seinen ersten Platz beim Insel-Ranking. Daran kann auch eine Stunde Nieselregen während der Tour nichts ändern. Es ist so warm, dass wir uns deswegen nicht unterstellen.WP_20140715_003 (Medium)P1050077 (Medium)

Die Liegepreise auf den holländischen Inseln sind vergleichsweise saftig, um die 25 Euro.

Die Pricken sollte man ernst nehmen, auch wenn sie noch so mickerig sind. Die Ausfahrt aus dem Hafen zeigt das schön.P1050078 (Medium)P1050080 (Medium)

P1050081 (Medium)Dieser Pricken-Parodie markiert die Schlickbank in der Einfahrt!P1050042 (Medium)P1050044 (Medium)

 

 

Mi., 16.07.2014 Schiermonnikoog

Ameland war die eine holländische Insel, zu der wir schon seit langem mal wollten. Die andere, noch seltener angefahrene, ist Schiermonnikoog. Diesmal ist eine ausführlichere Planung nötig, damit wir eine Ausweichmöglichkeit haben, falls Schiermonnikoog nicht klappt. In diesem Fall würden wir nach Lauwersoog fahren, dem nahe gelegenen Festlandhafen. Dann könnten wir am nächsten Tag einen neuen Versuch machen. P1050107 (Medium)WP_20140716_005 (Medium)

Der Wind verdient diese Bezeichnung kaum, etwa Stärke eins aus verschiedenen westlichen Richtungen. Also müssen wir motoren, die Route übers Watt via Zuider Spruit – Friesche Wad – Wierumer Wad – Pasensrede.
Die minimale Tiefe haben wir mit 1.4 m, bei 1.3 m eigenem Tiefgang. Die Route enthält scharfe Kurven, bei denen man prima Tonnen oder Pricken verwechseln kann.
Ansteuerung Schiermonnikoog-005.bmp (Medium) Nach zwei Stunden hören wir über Funk etwas von Baggerarbeiten im Hafen von Schiermonnikoog und begrenzter Zugänglichkeit. Ich habe es aber nicht richtig verstanden. Mental finden wir uns schon mal mit Lauwersoog ab, aber dann rufe ich den Hafenmeister von Schiermonnikoog an und er sagt, dass es keine Probleme für uns gäbe. Also nix wie hin.
Bei der Zufahrt zum Hafen von Schiermonnikoog muss man den Tonnen und Pricken peinlich genau folgen, das Fahrwasser besteht nur aus einer schmalen Rinne!
Ansteuerung Schiermonnikoog-003.bmp (Medium)

Nach vier Stunden machen wir fest, auch hier als vierte im Päckchen. Die eigenen Fahrräder an Land zu bringen ist da schon etwas sportlich. Eine freie Steckdose auf dem Steg zu finden übrigens auch. In diesem Urlaub brauchen wir regelmäßig die 40 m – Kabeltrommel, weil das normale Landstromkabel nicht annähernd reicht. Früher hatte ich noch eine zweite Kabeltrommelmit 25 m an Bord, die seit langem im Keller ruht. Nach den aktuellen Erfahrungen wird sie wieder an Bord kommen.P1050113 (Medium)WP_20140716_021 (Medium)

Wir machen gleich eine erste Radtour. Ameland verliert seinen gerade erst erworbenen ersten Platz im Insel-Ranking auf Anhieb an Schiermonnikoog.P1050116 (Medium)WP_20140716_008 (Medium)P1050134 (Medium)P1050140 (Medium)

Als wir zurückkommen liegt Brynja trocken, Kiel, Saildrive und Ruder im weichen Schlick versenkt. Damit muss man sich erst mal anfreunden. Beim Starten des Motors kommt auch zunächst dunkelgraues Schlick-Wasser-Gemisch aus dem Auspuff.P1050164 (Medium)

 

 

Do., 17.07.2014

Auch hier hängen wir einen sommerlich heißen Hafentag an.

P1050185 (Medium)Der Hafen bildet eine Wanne, aus der dank einer Schwelle nicht alles Wasser ablaufen kann.WP_20140717_002 (Medium)P1050199 (Medium)P1050217 (Medium)

 

 

Fr., 18.07.2014 Borkum

Das nächste Ziel soll Borkum sein. Diesmal wollen wir Inseln wie Langeoog und Norderney nicht an einem Wochenende besuchen, dann ist es uns einfach zu voll.
Diesmal fahren wir außen rum. Die Wasserstände im Watt sind durch die anhaltenden Ostwinde durchweg 20 bis 40 cm niedriger als normal. Das macht die Zeitfenster noch wesentlich knapper als sie sowieso schon sind. Die Strecke über das Watt ist damit kein Thema mehr. 
Wir fahren knapp zwei Stunden vor Hochwasser los, um so früh wie möglich weg zu kommen. Das stellt sich als zu knapp heraus, auf den ersten paar hundert Metern hängen wir drei Mal fest. Beim ersten Ml geht gar nichts mehr. Wir müssen uns mit voller Kraft zurück befreien und ein paar Meter daneben mit voller Kraft voraus einen neuen Versuch machen, diesmal erfolgreich. Die beiden nächsten Male sind weniger problematisch. Mit Vollgas voraus können wir durch die schlickige Untiefe pflügen. Die Fotos zeigen die Fahrrinne vor der Hafeneinfahrt von Schiermonnikoog bei niedrigem Wasserstand. Man kann die Lage der Tonnen und Pricken gut sehen.

P1050152 (Medium)WP_20140716_035 (Medium)

Nach einer Meile sind wir glücklich im Fahrwasser, der Wind mit Nordost 3-4 viel versprechend, Sonne satt. Wir segeln zunächst nur mit Genua, für beide Segel ist der Kurs zu sehr vor dem Wind. Im Seegat nimmt der Wind zu, Nordost 4-5, wenig später 5. Wir kreuzen mit einem Reff in Groß und Genua durch das Seegatt raus. Der Seegang ist zwar nicht hoch, etwa ein Meter, aber unangenehm. Ein Meter ist dabei ein signifikanter Wert. Vom Empfinden her prägender sind die die Wellengruppen mit um die zwei Meter Höhe. Sie bestehen meistens aus drei oder vier aufeinander folgenden Wellen und treten unregelmäßig alle paar Minuten auf.

Das Fahrwasser Westgat hat einen völlig neuen Verlauf und ist im äußeren Bereich deutlich untief geworden!

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Deshalb machen wir erst einen langen Schlag von der Küste weg in tieferes Wasser. Da sind die Wellen zwar eher etwas höher, aber meistens gleichmäßiger. Regine wird es schlecht und sie geht schlafen. Ich hatte das Boot zu hoch laufen lassen. Einen Tick weniger hoch am Wind sind die Bootsbewegungen harmonischer, aber davon hat sie jetzt nichts mehr. P1050240 (Medium)

Das Kreuzen gegen Wind und Strömung mit den gerefften Segeln ist ein mühsames Unterfangen, eher eine Übung in Geduld. Da rächt sich der kurze Kiel, den wir im Watt so zu schätzen wissen. Ich leiste Überzeugungsarbeit mir selbst gegenüber, Der Weg ist das Ziel, Carpe Diem, Hakuna Matata, Festina Lente, Ooohhm…

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Erst im Hubertgat macht das Kreuzen dank nachlassender Strömung wieder Spaß, mittlerweile ist es dunkel. Eigentlich ist es ja eine schöne Segelnacht. Dort treibt sich ein Bagger herum, wie immer mit unvorhersehbaren Kursen. Zeitweise hat unser Dreifarbenlicht Aussetzer, natürlich immer in den ungünstigsten Momenten. Dank des AIS-Transponders dürften wir aber dürften unsere Kurse aber für das Baggerschiff und andere sichtbar und kalkulierbar sein. Das Problem ist leicht zu beheben, ein Wackelkontakt im Deckstecker. Im Horsborngat, wo wir in die Westerems einbiegen, kommen die Segel runter. Ich musste den Motor sowieso starten, um nicht auf eine Untiefe gedrückt zu werden. Der Wind hatte mittlerweile etwas nachgelassen und reichte da nicht mehr aus, um die Strömung aussegeln zu können.

Kurz vor zwei laufen wir im Hafen von Borkum ein. Man kann ihn wirklich unter allen Bedingungen und vor allem auch im Dunkeln anlaufen, das ist aber auch das einzig Gute an ihm. Wir finden gerade noch einen freien Platz, der Hafen ist gut beleuchtet. So viele freie Plätze wie früher gibt es für Yachten nicht mehr, die Offshore-Industrie hat den Hafen weitgehend übernommen.

Nach ein paar Stunden Schlaf verlegen wir das Boot auf die andere Seite, an die Leeseite. Wir hängen lieber in den Festmachern als gegen unsere Fender gedrückt zu werden. Im Hafen steht schnell Schwell. Gerade als wir Strom gelegt haben kommt ein Mann angefahren und sagt, dass er der Hafenmeister ist.
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Er sagt uns, Wo wir liegen können wir nicht bleiben, “ da kommt ein 50 m-Schiff hin, der drückt euch einfach platt“. Außerdem hat er jetzt Feierabend, das Hafengeld sollen wir in einem Umschlag in den Briefkasten am Hafenbüro einwerfen. Weg ist er wieder. So ein Negativbeispiel von Hafenmeister haben wir lange nicht mehr getroffen, kein Vergleich mit seinen Vorgängern. Borkum ist offenbar an Wassersportlern mittlerweile gar nicht mehr interessiert, die Offshore-Industrie bringt sicher mehr Geld.

Es stellt sich dann heraus, dass er samstags von 8-10 und sonntags gar nicht anwesend ist. Das bedeutet vor allem, dass es keine Duschmünzen gibt. Und dass an dem Tag mit den Rekordtemperaturen für die ostfriesischen Inseln, 34 Grad! Die sanitären Einrichtungen sind übrigens noch etwas verkommener als früher schon.

Wir sehen uns den benachbarten Yachthafen „Port Henry“ an. Auch dort ist es nicht besser geworden. Es werden immer weniger Stege, die Öffnungszeiten der Sanitäranlagen sind mit 8-11 und ab 17 Uhr recht originell, eben dem dortigen Restaurant angepasst. Den Lärm des großen Windrades unmittelbar am Hafen finden wir sehr störend. WP_20140719_020 (Medium)WP_20140719_021-1 (Medium)

Der Yachthafen des Segelvereins hat ausgerechnet an diesem Tag auch ab 17 Uhr zu.
Also duschen wir notgedrungen kalt.

 

 

Sa., 19.07.2014 Hafentag

Mangels einer wirklichen Alternative bleiben wir die nächste Nacht noch, sehen uns tagsüber Borkum an und kaufen ein. Auch eine lange Strandwanderung muss sein. In Borkum knubbelt sich alles auf ganz kleinem Strandraum, nur wenig weiter ist man weitgehend für sich. Insgesamt finden wir nichts Neues, was für Borkum sprechen würde. P1050251 (Medium)P1050305 (Medium)P1050306 (Medium)Künftig wird es tatsächlich nur noch Nothafen für uns sein.
Immerhin schaffen es die Rekordtemperaturen, Regine ins Wasser zu treiben.

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Und auf dem Rückweg kaufen wir ein, unter anderem zum Grillen. Wovor die holländischen Almanaks doch alles gut sind…

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Wir wollen weiter nach Norderney.

 

 

So., 20.07.2014 Norderney

Der Wetterbericht spricht von Ost bis Südost 5-6, in Gewitterböen 7. Das wäre Express-Wind für uns, den wir wollen außen rum. Der Weg durch das Borkumer Wattfahrwasser ist bei den 20-30 cm niedrigeren Wasserständen diesmal nichts für uns. Wir wollen uns mit der letzten Stunde ablaufenden Wassers die Westerems runter bis Borkum Riff spülen lassen und anschließend mit der auflaufenden Gezeit Richtung Norderney.

Gezeitenabhängig waren wir erst um elf los. Leider hat der Wind tatsächlich nur Südost 2-3 bieten, das reicht vor dem Wind und im Strom gerade zum Segel gefüllt halten. Wir segeln an den Stränden entlang und sehen uns Borkum nochmal von dieser Seite an. Nach einer Stunde muss der Motor ran, der Wind bietet nur noch unbrauchbare 1-2. Nach anderthalb Stunden biegen wir ab nach Norden, bei dem ruhigen Wetter kürzen wir ab über das Borkumriff. Es steht eine alte Halbmeter-Dünung aus Nordost, die das Segeln zusätzlich erschwert. Sie lässt Segel und Baum bei zu wenig Vortrieb unangenehm schlagen. P1050340 (Medium)Wir machen immer wieder erfolglose Segelversuche und lassen das Groß optimistisch oben, aber von den angesagten 5-6 ist gar nichts übrig geblieben. Immerhin haben wir etwa einen Knoten Schiebestrom Nach fünf Stunden bergen wir vor dem Einbiegen in den Schluchter das Groß. Diese Zufahrt nach Norderney ist aktuell weit nach Osten verlegt, weil sich der Meeresboden verändert hat. Aber das wussten wir schon aus den nautischen Veröffentlichungen. Dank des neuen Plotters fahren wir dieses Jahr mit besonders aktuellen Kartendaten. Nicht weil die Daten bei so einem Gerät von sich aus so genau sind, sondern weil man aktuelle Veränderungen und Infos nachträglich einpflegen kann. Schluchter

Die rote Linie zeigt den Hinweg, die grüne den Rückweg. S2 usw. sind die alten Tonnenpositionen, S2-SCH die Situation auf dem Hinweg, S2-SCH1 die Situation auf dem Rückweg.

 

Der Sportboot-Hafen von Norderney ist voll. Wir haben gerade mit dem hoffnungsfrohen Suchen nach einer freien Box angefangen als uns die Leute von einer Yacht winken. Sie wollen gerade los und wir können ihren Liegeplatz übernehmen. Glück gehabt!P1050422 (Medium)
Abends und nachts bis in den Morgen gibt es heftige Gewitter mit richtig viel Regen.

 

 

Mo., 21. – Mi., 23.07.2014

Wir gönnen uns hier drei Hafentage. Es ist pures heißes Sommerwetter. Dank konsequenten Eincremens und Kopfbedeckungen sind wir in diesem Urlaub bisher um jeglichen Sonnenbrand herum gekommen. Die aktuellen Erfahrungen haben uns da kritisch gemacht.WP_20140720_023 (Medium)

Norderney ist für Segler annähernd perfekt und mit 13 Euro ist das Preis-Leistungs-Verhältnis unschlagbar. Entsprechend beliebt ist die Insel und viele holländischen Bootfahrer verbringen hier den Urlaub. Nur eine Infrastruktur für das Radfahren ist praktisch nicht vorhanden. Stattdessen dürfen die Urlauber hier ihre Autos mitbringen und so hat man Verkehrsverhältnisse wie zu Hause. Das schränkt das Inselgefühl etwas ein. Auf Borkum war das auch schon so, aber dort kam es darauf auch nicht mehr an.P1050379 (Medium)WP_20140722_004-001 (Medium)

P1050364-1 (Medium)P1050370-1 (Medium)WP_20140723_010-001 (Medium)P1050453 (Medium)WP_20140723_017 (Medium)WP_20140723_018 (Medium)Unserer abendlicher Ersatz für die Powerpoint-Präsentation bei der Planung des nächsten Tages.P1050437 (Medium)Der Yachthafen bleibt die ganze Zeit überfüllt, viele Boote müssen in Päckchen an anderen Stellen des Hafens liegen.

 

Do., 24.07.2014 Langeoog

Weiter geht es zur nächsten Insel, Langeoog. Auch diesmal fahren wir außen rum. Der Wind wird, wie üblich, mit Nordost 4 vorhergesagt und diesmal stimmt das auch ungefähr. Wegen der Gezeiten fahren wir um halb sechs los. Dann haben wir die meiste Zeit Schiebestrom. Wieder Sonne satt, das ist in diesem Urlaub ja schon Standard geworden. Kurz vor dem Hafen fliegt mein Hut über Bord, gute Gelegenheit für ein spontanes Hut-über-Bord-Manöver! Mit Bootshaken und Kescher können wir das gute Stück retten.

Kurz nach halb zehn machen wir auf Langeoog fest. Auch dort werden wir von einem freundlichen Segler gleich auf eine freie Box hingewiesen. An den Boxen sind hier nicht nur grüne und rote Täfelchen für frei oder belegt, sondern sogar Datumsangaben, wie lange eine Box frei ist.WP_20140724_020 (Medium)Auch der eine oder andere Ortskundige hat trotz Kimmkielen die Kurve buchstäblich nicht rechtzeitig gekriegt-WP_20140724_021 (Medium)

Der Yachthafen von Langeoog gehört zur Kategorie Schlickloch. Wir wollen nur eine Nacht bleiben, denn Langeoog ist nicht so interessant und ausführlicher sind wir erst vor wenigen Jahren hier gewesen.WP_20140724_011 (Medium)Die Insel-Spezialität: Dickmilch mit Sanddorn-Sirup und Schwarzbrot.WP_20140724_014 (Medium)Lale Andersen bleibt es auch diesmal nicht erspart…

 

Das Publikum ist wieder ein völlig anderes als auf anderen Inseln. Viele Tagesgäste, die offenbar nicht so viel Geld auszugeben haben. Man sieht es schon an der Art der Geschäfte. Aber die Langeooger wollen daran arbeiten, das Niveau ihrer Insel wieder etwas zu heben.

 

 

Fr., 25.07.2014 Spiekeroog

Zur nächsten Insel fahren wir wieder über die Birkenallee, also das mit Pricken bezeichnete Wattfahrwasser. P1050499 (Medium)Es ist zur Abwechslung mal bedeckt, aber trotzdem drückend. Nachmittags sind die offiziellen Angaben: 24°, Gefühlstemperatur: 29°. Man kann die Luft fast greifen und wir wären nicht traurig über einen kurzen erfrischenden Regenguss. Mehr als ein paar verträumte Einzeltropfen gibt es aber nicht.

Die Routenplanung passt wieder, die flachste Stelle unterwegs ist 1.5 m, meistens aber eher um die 1.8 m. Da ist es aber noch über eine Stunde bis zum Hochwasser, also ausreichend Reserve. Im Bereich der Pricken ist das Fahrwasser aber merklich schmal. Dank vieler Entgegenkommer haben wir hinreichend Gelegenheit, uns davon einen Eindruck zu machen.

P1050503 (Medium)P1050511 (Medium)P1050516 (Medium)Die Fahrrinne ist sowohl mit Pricken als auch mit Tonnen üppig bezeichnet.

P1050567 (Medium)Bei Niedrigwasser kann man – hier in Gegenrichtung – wieder schön sehen, wie man die Lage von Tonnen und Pricken einschätzen darf.P1050518 (Medium)Derartig gebundene Pricken stehen für spitze, also grüne TonnenP1050519 (Medium)

Und so sehen die stumpfen Pendants für die rote Seite aus.

 

Nach gut anderthalb Stunden machen wir auf Spiekeroog fest. Auch hier ist es nicht besonders voll. Der Wind ist mit Nordost 3 zwar angenehm, aber leider genau gegenan. Also motoren wir wieder.

Spiekeroog hatte sich unterwegs so nach und nach als das wichtigste Ziel unseres Urlaubs heraus kristallisiert. Das pralle Sommerwetter hat Gedanken an die Ostsee weggebrannt. Wir bekommen in den Wetterberichten mit, dass es dort wettermäßig nicht ganz so gut ist.

Wir packen die Räder aus und machen eine erste Erkundungstour in den Ort. Es sind gerade keine Tagesgäste da und nur wenig Leute unterwegs. Der Ort ist so puppig, dass wir unwillkürlich leise sprechen.

P1050526 (Medium)P1050528 (Medium)P1050529 (Medium)P1050530 (Medium)P1050531 (Medium)Fahrräder sind allerdings ausdrücklich unerwünscht. Von den Hotels und Pensionen werden sie zwar vorgehalten, aber es gibt keinen Verleih und keine Radwege. Stattdessen sind das Ortszentrum und viele Wege zum Strand für Fahrräder gesperrt.

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Das Publikum ist wieder anders, eine Mischung aus leicht alternativ und gut situiert, was sich im Straßenbild und den Geschäften zeigt.

 

Sa., 26. – Mo., 28.07.2014

Es gefällt uns so gut, dass wir gleich drei Hafentage dranhängen. Einmal gibt es heftige Schauer, ansonsten Sommer, Sommer, Sommer…

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P1050552 (Medium)Dieses Transportmittel ist erlaubt, die Pferdebahn in den Westen der Insel.

P1050558 (Medium)P1050559 (Medium)P1050560 (Medium)P1050701 (Medium)Auftrieb der Tagesgäste.P1050702 (Medium)P1050716 (Medium)WP_20140725_010 (Medium)

P1050579 (Medium)P1050580 (Medium)P1050569 (Medium)

Dafür werden wir die weiteren Inseln schlabbern und uns allmählich auf den Rückweg machen.

 

 

Di., 29.07.2014 Norderney

Von Spiekeroog weg zu kommen ist nautisch kein Problem. Die Zufahrt zum Hafen ist zurzeit sogar bei Niedrigwasser noch 1.50 tief. Zum Saisonende hin wird sie sich allmählich auf 80 cm zuschlicken, dann muss wieder gebaggert werden. Sie ist offiziell nur mit Pricken bezeichnet. Tatsächlich wurden jedoch zusätzlich rote und grüne Tonnen ausgelegt. Dabei handelt es sich eigentlich um Wintertonnen, die jetzt im Sommer gerade nichts Besseres zu tun haben. Der kleine effektive Dienstweg, zum Wohle der Segler.P1050721 (Medium)

Wir fahren schon vor dem Hochwasser los, um in Norderney nicht zu spät anzukommen und bis dahin etwas Schiebestrom zu haben. Im Seegat zwischen Spiekeroog und Langeoog, der Otzumer Balje, haben wir noch heftig Gegenstrom. Da kommen wir mit Kreuzen nicht gegenan und müssen schließlich den Motor zu Hilfe nehmen. Dreieinhalb Knoten sind zu viel. Es ist wieder Sommersegeln, ab und zu ein Schweinswal oder ein Seehund. Drei Windstärken sind etwas zu wenig für die Dünung. Damit der Baum nicht schlägt setzen wir den Bullenstander.

Bei der Annäherung an Norderney treffen wir schon auf ablaufendes Wasser während der Wind zunimmt. Wenn Wind und Strömung gegen einander stehen gibt das vor allem in den Seegatten eine fiese Welle, kurz und steil. Ab fünf Windstärken und mehr kann sie gefährlich werden. Kurzfristig haben wir diese Situation am Westkap von Norderney. Unpassender Weise hat der Wind auf sechs zugelegt, die nun ebenso unpassend von achtern kommen. Wir fahren eine etwas haarige Halse, die Bedingungen sind tatsächlich unangenehm. Eine halbe Meile vor dem Hafen nehmen wir das Groß runter, die Genua erst in der Hafeneinfahrt.WP_20140729_006 (Medium)

Diesmal haben wir kein Glück, der Yachthafen ist voll. Wir müssen im „richtigen“ Hafen als drittes Boot im Päckchen liegen. Von dem ganz innen liegenden Boot kommt man nur mühsam auf eine rostige und glitschige Leiter, für den Abstand sollte man schon sehr lange Beine haben. Zur Belohnung kann man dann zwei bis vier Meter hoch auf den Kai krabbeln, je nach Tidenstand. Zwischen Hoch- und Niedrigwasser sind auf Norderney mehr als zweieinhalb Meter Unterschied. Da wir diesmal hier sowieso nur übernachten wollen verweigert sich Regine dem von Bord gehen.WP_20140730_003 (Medium)

An Land winkt plötzlich Jörg, der mit seiner Phoenix und Dieter als Crew an einer anderen Stelle im Hafen liegt. Dort versacke ich später für ein Stündchen.

 

Mi., 30.07.2014 Lauwersoog

Wir fahren morgens erst mal zu der Tankstelle im Hafen. Personal ist nirgends zu sehen, aber eine Telefonnummer steht dran. Der Mensch am anderen Ende weiß aber auch nicht, wo der Tankwart ist. er hat aber ein paar Ideen, wo ich mal nachsehen könnte. Mache ich, allerdings erfolglos. Erneuter Anruf, diesmal rückt der freundliche Mensch die Handynummer des Tankwarts raus. So stellt sich dann ganz einfach heraus, dass er gerade mit dem Tankwagen unterwegs ist. Wie versprochen taucht er rasch auf und wir können weiter. Phoenix sehen wir schon weit vor uns. Sie scheinen zunächst durch das Fahrwasser „Schluchter“ zu wollen, drehen dann aber ab und fahren durch das Dovetief. P1050759 (Medium)P1050761 (Medium)Im Schluchter ist nämlich gerade der Tonnenleger „Norden“ zugange und verändert die Lage der Betonnung. Ich versuche, ihn über Funk zu erreichen, aber er antwortet nicht. Also fahren wir auch durch das Dovetief. Sobald wie möglich setzen wir Segel und schalten den Motor ab, während Phönix weiter motort. Wir wollen in Richtung Lauwersoog kreuzen und Borkum nur noch anlaufen, wenn es gar nicht anders geht. Zunächst ist die Strömung deutlich gegenan, später immerhin neutral. Von mitlaufendem Strom merken wir den ganzen Tag wenig. Nach zwei Stunden sehen wir, dass auch Phoenix die Segel gesetzt hat, verlieren sie dann aber aus den Augen.P1050774 (Medium)

Wir fahren wegen der höheren Wellen einen größeren Bogen um das Borkumriff als auf dem Hinweg. Das Gebiet heißt Geldsackplate, ein herrliches Wort. Wir fantasieren uns zurecht, was für Geschichten hinter diesem Namen stecken könnten. Die Wellen gehen bei NW 5 hier ziemlich hoch, weil sie auf flacheres Wasser auflaufen. Immer wieder kommen Brecher vor, so dass wir uns zusätzlich zu den Rettungswesten mit Livebelts im Cockpit sichern und das Luk des Niedergangs geschlossen halten. Hier kann es immer mal vorkommen, dass eine besonders große Welle „einsteigt“ oder einen auf die Seite legt. Solche so genannten Grundseen haben so viel Tiefgang, dass sie Sand und Muscheln enthalten. Bei uns klatscht aber nur einmal eine unter den gekrängten, also schräg liegenden, Rumpf. Dabei wird Seewasser mit Sand und pürierten Muschelschalen durch die Lenzrohre (anderthalbzöllige Ablaufrohre des Cockpits) auf meine Füße gespritzt. Die Segelei verlangt unter solchen Umständen besonders viel Aufmerksamkeit. Ich will gerade am Rand der Sände vorbeischrammen, um Strecke zu sparen, aber andererseits nicht in zu flaches Wasser kommen. Dort sind Brecher nämlich sichtbar häufiger. Der Kompromiss liegt diesmal zwischen acht und elf Metern Wassertiefe. Es sind aber ständig höhere Wellen dabei, die ich von Hand aussteuere. Erleichterung durch den Autopiloten oder Brynjas natürliche Selbststeuer-Talente gibt es deshalb etliche Stunden lang nicht.

Abends kommen wir zunehmend in ruhigere Gewässer. Um eine Stunde Fahrzeit zu sparen (und um meine Neugier zu befriedigen) folgen wir beim Einbiegen in das Seegat zwischen Schiermonnikoog und Ameland einem vor Jahren aufgegebenen und nicht mehr betonnten Fahrwasser, dem Plaatgat. Wir tasten uns vorsichtig durch, aber tatsächlich flach ist es nur im Ostteil. Ich schätze, dort hat man bei Niedrigwasser stellenweise nur etwa 1.70 m Tiefe. Danach werden wir mit der auflaufenden Flut in Richtung Lauwersoog gespült, unsere Planung geht prima auf. Mittlerweile ist es dunkel geworden und ich kann mich naturgemäß noch nicht vom Segeln trennen. Fünf Meilen vor dem Ziel überzeugt Regine mich dezent davon, dass wir eine Stunde eher da wären, wenn wir allmählich mal den Motor zu Hilfe nehmen würden. Der Wind hat nämlich mittlerweile nicht mehr viel zu bieten. Kurz vor elf sind wir in der Außen-Marina, wo nur wenige Boote liegen.

WP_20140730_006 (Medium)Morgens

WP_20140730_018 (Medium)Abends

 

 

Do., 31.07.2014

Wir bleiben einen Tag, obwohl die unmittelbare Umgebung überhaupt nichts zu bieten hat. Wir bekommen aber Besuch, eine Freundin aus Groningen mit ihrem Hund.

P1050804 (Medium)P1050809 (Medium)-1WP_20140731_001 (Medium)

 

 

Fr., 01.08.2014 Harlingen

Ich rechne hin und her, aber die Weiterfahrt durchs Watt oder außen um die Inseln rum ist nicht wirklich attraktiv. Die Häfen hatten wir auf der Hinreise gerade erst, Zeiten und Gezeiten passen auch nicht gut. Außerdem ist für den nächsten Tag mal wieder Schlappwind und Sonne satt angesagt, unser Standard-Schicksal in diesem Urlaub.

Also beschließen wir, bis Harlingen durch die Kanäle zu fahren. Das ist Friesland von einer sehr typischen Seite und Regine kennt das noch nicht. Wir fahren nicht besonders früh los und wollen so weit fahren, wie wir an dem Tag kommen. Es gibt auf weiten Streckenabschnitten Geschwindigkeitsbeschränkungen, die auch überwacht werden. Erwischt werden ist teuer. Der erste Abschnitt, annähernd bis Dokkum, lädt auch von der Stimmung her zum Bummeln ein. Natur pur, eine weite Landschaft.

P1050859 (Medium)P1050870 (Medium)P1050879 (Medium)-1P1050881 (Medium)

Danach wird es sozusagen kleinstädtischer, aber mit ganz viel Grün. P1050978 (Medium)P1050979 (Medium)

Die Häuser am Kanal stehen auf großzügigen Grundstücken und zeugen von Geld. Die meisten haben einen eigenen Minihafen, gerade ausreichend für eine schnuckelige Yacht. Genau das, was Dr. Nordwestlotto uns endlich mal verordnen sollte…

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Auch die kleinen Ortschaften machen den Eindruck von Heile Welt pur. P1050915 (Medium)P1050921 (Medium)P1050935 (Medium)Sogar hier gibt es Staus!

P1050896 (Medium)In der Umgebung der Ortschaften sieht man allerdings auch verfallene Fabriken, aber sogar das hat manchmal etwas Besonderes.

Mittags sind wir in Dokkum. Der Brückenwärter macht von zwölf bis eins Pause, deshalb legen wir vor der Brücke an und gehen einkaufen. Der Ort ist wieder eine dieser puppigen Kleinstädte, garniert mit einem Wochenmarkt in der Innenstadt.

P1050907 (Medium)P1050908 (Medium)P1050909 (Medium)P1050912 (Medium)Wir wollen aber nicht trödeln und kaufen deshalb bei HEMA ein. Unter anderem deshalb, weil wir da unseren Urlaubsstandardbordweißwein kriegen, im praktischen Dreiliter-Kanister. Weinliebhaber werden uns natürlich kreuzigen, aber für uns als simple Wein-User reicht das. Wir füllen den in eine kühlschrankgerechte Einliterflasche um und haben immer wohltemperierten Wein. Bier hat bei uns an Bord keinen hohen Stellenwert. Diesmal fällt mir erst an Bord auf, dass bei unserem Einkauf etwas fehlt: Ausgerechnet der Wein! Einen Bon habe ich zwar nicht, aber trotzdem trabe ich zügig zurück zu HEMA. Die Kassiererin ist gerade abgelöst worden, aber ich erwische sie noch kurz vor dem Aufenthaltsraum. Sie sagt, der Wein wäre jetzt bei der Service-Kasse. Also flott dort hin. Die Kassiererin plauscht gerade angelegentlich mit einer Kundin und meinen Wein sehe ich hinter ihr im Regal stehen, mit einem Zettel. Als ich sie anspreche sind die Damen ganz traurig, dass ich zurückgekommen bin. Sie scherzen, dass sie sich schon auf den Wein gefreut hatten.

Als ich wieder auf dem Boot bin ist die erste Brückenöffnung natürlich verpasst, aber lange warten müssen wir nicht.

Regine lernt jetzt eine Landestradition kennen, das Bezahlen per Holzschuh. P1050918 (Medium)Der Preis für eine oder meist mehrere Brückenöffnungen steht rechtzeitig vor dem Häuschen des Brückenwärters angeschlagen. Der wartet dort, mit einem Holzschuh, Klompen genannt, an einer Angel. Im Vorbeifahren hält er den über unser Vorschiff und Regine legt das passende Geld hinein. Funktioniert vorzüglich. Wenn man ausnahmsweise kein Kleingeld hat zeigt man von weitem den Geldschein und findet im Holzschuh das Wechselgeld vor.

Unterwegs fange ich natürlich doch zu rechnen an, ganz automatisch. Mit etwas Glück könnten wir es doch bis zum Abend nach Harlingen schaffen, in unseren Lieblingshafen. Ab kurz hinter Leeuwarden sind nur noch Geschwindigkeitsbeschränkungen, die eh über unseren Möglichkeiten liegen.

Apropos Leeuwarden…Da trudeln wir an der Noorderbrug um 16 Uhr ein. Der Brückenwärter klettert gerade aus seinem Häuschen. Er kommt zu uns und sagt, dass jetzt bis 18 Uhr Pause ist. P1050984 (Medium)P1060008 (Medium)Das ist an vielen Stellen so, wegen des Berufsverkehres. Wir machen das Beste daraus und einen Gang durch die Stadt. Für holländische Verhältnisse finden wir sie so mittelnett, mit einem eindeutigen Mangel an Eisdielen.

P1060020 (Medium)-1P1060022 (Medium)-1

Kurz vor sechs geht es tatsächlich weiter, die folgenden Brücken machen sofort auf oder haben nur eine minimale Wartezeit.

P1060035 (Medium)Bei manchen wird die Anmeldung über Funk erwartet, das beschleunigt die Prozedur. Viele Brücken werden nämlich von irgendeiner Zentrale aus fernbedient. Also doch heute noch Harlingen?

Vor einer Brücke müssen wir einen Extrakringel drehen, weil wir zu nah an die Brücke getrieben werden. Über Funk macht uns die freundliche Dame am Funk darauf aufmerksam, dass im Kanal gespült wird, also Strömung herrscht. Offenbar klappt die Kameraüberwachung gut. Dass gespült wird hatte ich allerdings schon gesehen, dann sind an den Brücken und Schleusen drei rote Lichter als Dreieck zu sehen.

In Franeker ereilt es uns, die Stationsbrug öffnet nur drei Mal pro Stunde. Wir verlieren eine weitere Viertelstunde und das gibt unserer Planung den Rest. Fünf Minuten zu spät kommt die Koningsbrug in Sicht, im Außenbereich von Harlingen. Sie zeigt Doppelrot, Feierabend.P1060068 (Medium)

Für diesen Fall wollen wir in dem kleinen Hafen einer nahe gelegenen Werft übernachten. Zwei kleine Hafenbecken sind mit den Schildern dieser Werft bezeichnet. P1060082 (Medium)Im ersten geht gleich unser Tiefenalarm los, also gleich wieder raus ins tiefere Wasser. In dem anderen Hafenbecken kommen wir klar und machen fest. Das Gelände ist aber verdächtig unbelebt. Ich erkunde zu Fuß die Lage. Alle Hallen und Gebäude sind leer, keine Spur von Sanitäreinrichtungen oder so etwas. P1060079 (Medium)P1060072 (Medium)Außerhalb des Geländes ist ein weiterer kleiner Hafen, mit richtigen Menschen. Das ist der eigentliche Werfthafen aber für Fremdlinge wie uns ist seine Zufahrt kaum zu finden. Die Leute sind sehr freundlich und hilfsbereit. Wenn einem aber erklärt wird, wie man sich hinter dem Kran zwischen den Schiffen und dem Haus durchschlängeln muss, dann geht es. Ach ja, vom Tiefenmesser darf man sich auch nicht beeindrucken lassen, wir finden einen Liegeplatz mit angezeigten 1.1 m Tiefe, aber trotzdem ohne Probleme.

So können wir wenigstens duschen.

 

Sa., 02.08.2014 Oudeschild

Am nächsten Vormittag fahren wir weiter, zunächst in den Jachthaven des Harlinger Jachtclubs. P1060090 (Medium)Wir machen mit Genehmigung des Hafenmeisters nur für ein Stündchen fest, um in der Stadt einkaufen zu gehen. Zum Weiterfahren ist es eh noch zu früh, Hochwasser ist erst nachmittags.

WP_20140802_009 (Medium)In der Noordergracht ist eine Menge los.

Schließlich fahren wir doch etwas zu früh los. Zunächst haben wir in der Schleuse unerfreuliche Erlebnisse. Die Schleusenwärterin verlangt, dass die Boote unnötig eng zusammenrücken. Ein Plattbodenschiff ist unser direkter Nachbar. Die drei Männer darauf haben es offensichtlich gechartert und sind völlig überfordert. Regine ist flink genug mit dem Kugelfender unterwegs und so gibt es bei uns keine Kratzer, die anderen haben unschöne Kontakte mit der Schleusenwand. Nach der Schleuse warten wir erst mal, bis diese Chaos-Crew weg ist Dann laufen wir aus, Richtung Kornwerderzand. Wir versuchen, zu segeln, aber gegen die noch auflaufende Flut ist das aussichtslos. Also muss der Motor wieder ran. Erst ab Kornwerderzand können wir segeln. Dort ändert sich der Verlauf des Fahrwassers und allmählich läuft die Strömung auch in unsere Richtung.

Voraus und über dem IJsselmeer tauchen mächtige dunkle Wolkenwände auf, das werden wohl die im Wetterbericht angedrohten Schauer und Gewitter mit stürmischen Böen sein. P1060103 (Medium)Ein paar Meilen vor Texel geht der Tanz los, der Wind legt zu. Wir rollen die Genua weg, reffend das Großsegel doppelt und starten vorsichtshalber den Motor. Handys und das Handfunkgerät kommen in den Backofen. P1060109 (Medium)Es kommt wie versprochen, acht Windstärken, Gewitter, Starkregen. Wirklich bedrohlich wirkt es aber irgendwie nicht. P1060127 (Medium)Eine gute Gelegenheit, den neuen Autopiloten mal zu fordern. Klappt prima, sowohl mit Motor und gerefftem Groß als auch nur mit dem Segel. Beruhigend zu wissen, den alten Autopiloten hätte man in der Situation vergessen können.

Oudeschild wird sicher proppenvoll sein, deshalb wollen wir durchziehen nach Den Helder. Kurz vor Oudeschild höre ich über Funk eine Warnung wegen Extremwetter und Windstärke 9. Ich kann es aber nicht richtig verstehen, weil unser Funk immer schlechter geworden ist. Jedenfalls beschließen wir, unter diesen Umständen doch Texel anzulaufen, da sind wir sowieso gerade.

Der Yachthafen ist völlig überfüllt, viele Yachten haben in Päckchen an Fischerbooten und anderen Berufsschiffen festgemacht. Wir machen als viertes Boot an so einem Päckchen fest und klappen erst mal die Kuchenbude hoch. Nach einiger Zeit wird das Wetter schnell besser und abends gehen wir im Restaurant am Jachthaven essen. Das Essen ist unerwartet gut!

Leider stellt sich heraus, dass unser Funkgerät hinüber ist. Den Rest des Törns müssen wir mit dem Handfunkgerät auskommen.

 

So., 03.08.2014 Den Helder

Am nächsten Tag ist wieder Sonne satt und ein laues Lüftchen, als wär nichts gewesen. Wir fahren die paar Meilen rüber nach Den Helder, in den Königlichen Marine Jachtclub. P1060158 (Medium)Da erst Mittag ist haben wir die freie Auswahl und suchen uns eine Box mit gutem Ausblick. Im inneren Hafen ist eine große Veranstaltung, mit alten Berufsschiffen aller Art und vielem, manchmal skurrilen, Publikum. Also ganz viel für uns zu schauen!

P1060176 (Medium)P1060196 (Medium)P1060194 (Medium)P1060198 (Medium)P1060212 (Medium)P1060218 (Medium)P1060234 (Medium)P1060239 (Medium)P1060254 (Medium)Der alternative Elektroantrieb!

P1060262 (Medium)

 

 

Mo., 04.08.2014 Hafentag

Den Montagvormittag verbringe ich damit, einen einfachen Blutwert bestimmen zu lassen. Eine kleine Odyssee, Fremdenverkehrsbüro, Apotheke, schließlich Krankenhaus mit pauschalen 250 Euro Vorauszahlung für einen Pieks in den Finger… Ich bin gespannt, was auf der endgültigen Rechnung steht.WP_20140804_004 (Medium)P1060160 (Medium)

P1060270 (Medium)WP_20140804_007 (Medium)-1WP_20140804_001 (Medium)P1060267 (Medium)-1P1060271 (Medium)Wieder ist es ein praller Sommertag.

 

Di., 05.08.2014 IJmuiden

Angesichts des Wetterberichtes mit schlaffen südlichen Winden haben wir uns damit abgefunden, Richtung Ijsselmeer zu fahren. Wir möchten auf jeden Fall noch Amsterdam mitnehmen. Nach dem Auslaufen merken wir beim Segelsetzen, dass der Wind doch nicht ganz hoffnungslos schlapp ist. Spontan drehen wir ab, doch außen rum nach IJmuiden. Da werden wir die ersten Stunden starken Gegenstrom haben, aber ich baue darauf, dass sich bei dieser Wetterlage nachmittags Seewind einstellt.P1060308 (Medium)P1060311 (Medium)P1060349 (Medium)P1060367 (Medium)

Ich probiere aus, wie die Stärke des Gegenstromes sich auswirkt. Im tiefen Wasser sind es über drei Knoten, dichter unter Land eher um die zwei. Weniger als 15 m Tiefe sollten es aber schon sein und das ist dort dicht unter Land.

Nach zweieinhalb Stunden sin wir es leid, das Wetter ist doch so schön. Obwohl die Strömung noch gegenan läuft setzen wir die Segel und kreuzen südwärts die Küste runter. Zwei Stunden weiter fängt in Höhe von Petten auch der Strom an zu schieben und am frühen Abend sind wir in IJmuiden.WP_20140805_001 (Medium)

Nachdem wir festgemacht haben stellen wir fest, dass ein paar Boxen weiter gleich drei Boote von Bekannten liegen. Sie sind unterwegs nach Zeeland. Damit ist die weitere Gestaltung des Abends keine Frage mehr und es gibt auf der Crazy etliches zu erzählen.

 

Mi., 06.08.2014 Amsterdam

Vormittags gehen wir noch kurz zum Strand. Der ist mit das Beste an IJmuiden, aber  relativ unbekannt. P1060446 (Medium)P1060447 (Medium)WP_20140806_001 (Medium)-1Diese Idee, den Strand sauber zu halten finden wir viel besser als Verbotsschilder.

Die restliche Strecke bis Amsterdam geht durch den Noordzeekanaal. Diesmal sind ungewohnt viele große Schiffe unterwegs. Dafür sehen wir gar keine Tragflügel-Fähren mehr, der Betrieb scheint eingestellt zu sein.

P1060455 (Medium)WP_20140806_003 (Medium)P1060462 (Medium)P1060465 (Medium)P1060473 (Medium)P1060474 (Medium)P1060476 (Medium)P1060478 (Medium)P1060490 (Medium)

Wir versuchen zuerst, im Aeolushaven einen Platz zu finden, aber der ist voll. Also geht es doch wieder in den Sixhaven, wo man immer irgendwie unterkommt.WP_20140806_005 (Medium)-1-2P1060473 (Medium)

Gleich nebenan fahren zu beiden Seiten kostenlose Fähren rüber zum Hauptbahnhof, also ins Herz von Amsterdam. Wir machen trotz drohendem Regen eine erste Erkundungstour. Die Stadt wirkt enorm hektisch auf uns, alle hasten und eilen. Das scheint uns hier noch ausgeprägter zu sein als in anderen großen Städten. Spätnachmittags bis abends wird der Regen ernsthafter und treibt uns wieder aufs Boot.P1060540 (Medium)WP_20140806_015 (Medium)-1

 

Do., 07.08.2014

Heute sind wir den ganzen Tag in der Innenstadt unterwegs, einfach den Augen, Ohren und Gerüchen folgend. Es gibt mehr zu sehen als man aufnehmen kann. Mir scheint, es gibt nur eine einzige Möglichkeit, in Amsterdam aufzufallen: man muss mit Helm Radfahren. Alle anderen denkbaren und eigentlich undenkbaren Varianten von Outfit wirken hier normal.P1060550-1 (Medium)P1060555 (Medium)P1060556 (Medium)P1060558-1-2 (Medium)P1060559 (Medium)Das schmalste Haus der Stadt. Im 17. Jahrhundert galt die Breite der Fassade als Indikator für das Einkommen und Vermögen. Danach wurden die Steuern berechnet. Das führte zu den charakteristischen schmalen Fassaden, die teilweise auch noch „op vlucht“ als etwas schräg über die Straße geneigt, gebaut waren. P1060568-1 (Medium)P1060574-1 (Medium)P1060575 (Medium)P1060576-1 (Medium)P1060577-1 (Medium)WP_20140807_010 (Medium)P1060595 (Medium)P1060608 (Medium)P1060614-1 (Medium)WP_20140807_020 (Medium)P1060624-1 (Medium)

Natürlich machen wir auch eine Grachtenrundfahrt, das ist ja noch mal eine andere Perspektive. Der Tag ist wieder purer Sommer.

P1060630 (Medium)P1060631-1 (Medium)P1060632 (Medium)P1060645 (Medium)P1060647 (Medium)P1060650 (Medium)P1060651 (Medium)Am späten Nachmittag machen wir eine Pause auf dem Boot. Heute ist es erstaunlich leer im Hafen, wir haben sogar eine Box. Abends ziehen wir noch einmal los. Eigentlich wollten wir etwas essen und uns die Wallen, das Vergnügungsviertel, ansehen. Aber stattdessen laufen wir wieder durch die Stadt und schauen uns die Augen wund. Jetzt im Dunkeln sieht vieles noch einmal anders aus. Man kann das erleuchtete üppige Innere der alten Patrizierhäuser sehen. Die schönen Plätze in den Straßencafés sind immer gerade besetzt, so dass wir uns das schenken.

Spätabends geht es wieder zur Fähre, sie ist gerade angekommen. Wir machen, dass wir schnell drauf kommen und schon fährt sie wieder los. Allerdings schlägt sie sofort einen ganz anderen Kurs ein als gewohnt und fährt weit in den Westen, zur NDSM-Werft. Wir sind eine Viertelstunde unterwegs, tagsüber wäre das ein Tipp für eine kostenlose Hafenrundfahrt. Wir bleiben gleich auf der Fähre und zum Glück fährt sie die gleiche Strecke zurück. Wie sich herausstellt, war es die letzte Fähre des Tages auf dieser Strecke. Unsere gewohnte Fähre bringt uns dann in fünf Minuten ans andere Ufer, sie fährt die ganze Nacht durch. Weit nach Mitternacht sind wir wieder zuhause auf dem Boot.

 

Fr., 08.08.2014 Hoorn

Jetzt geht es in immer vertrautere Gefilde.

unbenannt-1Die Einfahrt zum Aelushaven.

Wir verlassen Amsterdam durch die Oranjesluis und können auf dem Markermeer endlich wieder Segel setzen. P1060749 (Medium)

Am malerischen Marken vorbei fahren wir nach Hoorn. Es ist bedeckt, ab und zu ein paar Tropfen Regen.

P1060754 (Medium)Im Grashaven machen wir fest.

In der Stadt wird leider gerade eine Kirmes aufgebaut und erschlägt jegliche Atmosphäre.WP_20140808_008 (Medium)WP_20140808_009 (Medium)

Abends und nachts legt der Wind kräftig zu (SW 6 und 7) und bringt Regen mit.

 

 

Sa., 09.08.2014 Enkhuizen

Vormittags ist es immer noch windig, aber trockener. Wir vertreiben uns den Vormittag im Städtchen und schauen den Plattbodenschiffen bei den Manövern zu. Durch das Anlegen eines Fluss-Kreuzfahrtschiffes ist es etwas eng geworden und nicht ganz einfach, bei dem Wind aus der Ecke heraus zu kommen. Diesmal sind es auf vielen Booten die Frauen, die das Sagen haben.  Dass mitten im Gewusel auch noch Segelyachten die Segel hochziehen müssen macht nicht gerade einfacher.

P1060767 (Medium)-1P1060771 (Medium)P1060772 (Medium)P1060780 (Medium)-1P1060788 (Medium)P1060789 (Medium)

Wir fahren dann bei SW 6 die paar Meilen bis Enkhuizen. Es ist auch nur mit der gerefften Genua eine schöne Rauschefahrt, aber anstrengendes Steuern an der Vorwind-Kante.P1060795 (Medium)

Dass es bei dem starken Querwind in der Schleuse nicht gut geht war absehbar. Wir haben uns dezent zurückgehalten, um dem Plattbodenschiff vor uns nicht als Fender zu dienen. Eigentlich wollten sie auf der anderen Seite angelegt haben.

Die übliche Rundfahrt durch den Buitenhaven zeigt, dass keiner unserer Lieblingsplätze frei ist.P1060804 (Medium) Also fahren wir lieber in den Buyshaven, dort ist noch viel frei.

 

So., 10.08.2014 Ketelhaven

Es ist soweit, ab in den Heimathafen. Wir müssen etwas Kreuzen, der Wind ist meistens um die 5, manchmal mehr. P1060832 (Medium)-1

Am Windpark hat sich viel getan, das Bautempo ist erstaunlich. Diese Leute sollte man mal für deutsche Autobahn-Baustellen anheuern…P1060854 (Medium)-1Die alten Windräder wirken geradezu zierlich zwischen ihren Nachfolgern.P1060843 (Medium)

 

Unter der Ketelbrug können wir ohne Brückenöffnung her, es hat sich noch keine Welle aufgebaut. Kurz vor dem Hafen ist der Wind nur noch 3-4 und hinter uns zieht eine dunkle Wolkenwand auf. P1060858 (Medium)Wir starten den Motor und versuchen, noch halbwegs trocken in den Hafen zu kommen. Es klappt auch nur halbwegs, nass werden wir doch. Aber der richtig heftige Regen kommt erst, als wir die Kuchenbude oben haben. Er bringt später am Abend auch die Windstärke 7 mit, die schon den ganzen Tag angedroht worden war.

 

Damit ist dieser Sommerurlaub zu Ende. 31 Tage purer Sommer, besser hätten wir es zeitlich gar nicht legen können. Auch die unangenehmen Begleiterscheinungen wie zu viel Wind und Regen, die es zuhause und in anderen Gegenden gegeben hatte, waren uns erspart geblieben.

19 (eigentlich nur 17) Tage unterwegs und 13 (eigentlich 15) Hafentage, und das mir! Ein richtiger Segelurlaub war es also nicht, eher ein mobiler Sommerurlaub. So viel Motorstunden haben wir sonst in der ganzen Saison… Aber ich sollte mich ja schonen und auch das will gelernt sein!

4 Kommentare zu “Sommerurlaub in der Birkenallee

  1. Super Bericht und tolle Bilder dazu. Man liest es als wäre man dabei – wirklich Klasse!

  2. Danke Euch beiden für diese sehr gute und detaillierte Weg und Routenbeschreibung. Werde bestimmt das eine oder andere für meine Überführung von Lemmer nach Kappeln Ende der Saison 2015 entnehmen können.
    LG Walter
    http://www.hinterdenhorizont.segelnblogs.de

    • Bis dahin ist es noch eine ganze Saison. Das Watt ist ein besonders schnell veränderliches Revier, aber NV hat ja gute Vorsätze hinsichtlich der zeitnahen Karten-Aktualisierungen. Wir haben gute Vorsätze, Veränderungen auch hier breit zu treten.

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