S.Y. Brynja´s Blog

Schlendern unter Segeln

Sommerurlaub 2013

Sommerurlaub! Vier Wochen, ohne bestimmtes Ziel. Grundgedanke ist, möglichst wenig zu motoren und vor allem keine Ziele mit dem Motor zu erzwingen. Außerdem wollen wir möglichst Orte, bzw. Häfen anlaufen, die wir noch nicht kennen oder schon lange nicht mehr gesehen haben. Wenn es mit diesen Vorgaben machbar ist könnte England das Ziel sein.

Das Wetter hat sich unglaublich gebessert, genau passendes Timing für den Urlaubsbeginn.


 

Ketelhaven – Stavoren So., 21.07.13, 09.00 – 18.45 h, 30 sm, 23.50 €

 

Wir wollen eigentlich erst mal los Richtung Amsterdam / Noordzeekanaal. Der Tag ist tropisch heiß und der Wind kommt entsprechend schwach aus Nord, später Nordost 2. Segeln mit Sonnenschirm ist bei uns sonst eher ungewöhnlich.DSCN6819

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Die neuen Klappstühle kommen gleich zum Einsatz, auf dem Vordeck hat man damit Sonne und Belüftung gleichzeitig.

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Für einen Kurs vor dem Wind reicht die Windstärke nicht, deshalb drehen wir ab auf einen Amwindkurs, grobe Richtung Norden. Mal sehen, was angenehm geht, Medemblik oder einer der Häfen an der Ostküste.

Angenehmes faules Sommersegeln, genau die richtige Einstimmung. Es wird dann Stavoren, die Außenmarina.

Der Bau der zweiten Schleusenkammer geht voran.

 

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Auch sonst stehen große bauliche Veränderungen bevor. Man wird den Ort bald kaum wiedererkennen.

 

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Zufällig stellt sich beim Simsen heraus, dass auch Klaus mit Barney und seiner Mareld da ist. Er liegt im Oude Haven.

Klar, dass der Abendspaziergang dort vorbei führt!

 

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Stavoren – Den Oever, Mo., 22,07.13, 10.05 – 13.40 h, 12 sm, 19.65 €

 

Morgens eben vollgetankt und eine neue Reserve-Gasflasche gekauft, dann los.

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Es ist wieder tropisch heiß und nach einer halben Stunde bleibt der Wind völlig weg. Deshalb ist über eine Stunde Dieseln nötig, dann erlaubt ein Nordost 2 wieder Segeln. Wir wollen zumindest bis Den Oever kommen. Das ist am westlichen Ende des Abschlussdeiches, eine der beiden Schleusen ins „richtige“ Meer.

 

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In der Marina hat sich nicht viel geändert, im Ort auch nicht. Die Leihfahrräder sind immer noch so, dass ich bereue, unsere Falträder nicht ausgepackt zu haben. Eigentlich wäre es den Aufenthalt hier nicht wert gewesen, finden wir hinterher. Das Hafenrestaurant mit dem guten Ruf hat montags leider geschlossen.

 

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Den Oever – Den Helder, Di., 23.07.13, 10.05 – 13.40 h, 12 sm, 19.65 €


Heute geht es nach Den Helder. Das soll zum einen unser Absprunghafen sein, zum anderen wollen wir da schon mal Strand genießen. Wieder Sonne satt und Nordost 2.

 

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Unmittelbar vor der Schleuse zeigt sich der erste Seehund.

 

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Diesmal fallen wir in der Schleuse auf den Trick mit „Van zoet naar zout gaat fout“ nicht rein, aber bei dem Boot hinter uns können wir den Effekt gut beobachten.

 

Draußen schiebt uns der Strom, wie geplant.

 

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Das ist auch nötig, denn zeitweise treiben wir mehr als zu segeln. Zwischendurch muss auch zweimal der Motor ran, um Fischern und anderen Berufsschiffen aus dem Weg zu bleiben.

 

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Auch den Muschelzucht-Farmen sollte man fern bleiben.

 

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Wir machen wieder im Hafen des königlichen Yachtclubs fest.

 

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Er gefällt mir von Erreichbarkeit und Atmosphäre einfach am besten, nach wie vor.

 

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Mit den Rädern und zu Fuß erkunden wir Promenade, Stadt und Strände.

 

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Es hat sich viel verändert, das werden wir uns noch einmal später in Ruhe ansehen.

 

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Mittlerweile hat sich der Gedanke breit gemacht, wir könnten mal die englische Ostküste heimsuchen. Bei diesem Wetter würde das aber vorwiegend mindestens zur Hälfte Motoren bedeuten, also erst mal nichts für uns.



Den Helder – IJmuiden, MI., 24.07.13, 11.35 – 22.00 h, 47 sm, 23.90 €


 

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Da der Gezeitenstrom vorher nicht Richtung Süden schiebt, müssen wir erst kurz vor Mittag los. Zur Abwechslung haben wir mal SW 3-4, es ist bedeckt und warm. Wir kreuzen gemütlich die Küste runter. Der Wind legt etwas zu auf SW 4, nachmittags gibt es auch mal ein paar Minuten ganz leichten Regen.

Am frühen Abend dreht naturgemäß die Strömungsrichtung und wir müssen bei immer mehr nachlassendem Wind gegen die Strömung ankreuzen. Da wir alle Zeit der Welt und viel zu lesen haben, macht uns das gar nichts aus. Egmond aan Zee besichtigen wir zum Beispiel ganz ausführlich…

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Erst für die letzten zwei Stunden werfen wir den Motor an, um noch im Hellen in IJmuiden anzukommen. Mit zweieinhalb Knoten Fahrt konnten wir gegen die Strömung nicht mehr effektiv ankreuzen.

In der Marina ist, wie fast immer, nichts los.

 


 

IJmuiden – Scheveningen, Do., 25.07.13, 11.40 – 16.15 h, 27 sm, 2x 25.80 €


IJmuiden als Absprunghafen nach England zu nehmen, ist bei dem Wetter auch kein Thema. Einfach nicht genug Wind, um auch nur die halbe Strecke unter Segeln zu schaffen. Also geht es weiter die Küste entlang, gezeitenbedingt wieder erst ab Mittag.

Es ist wieder bedeckt und warm, über See sind Gewitter zu sehen. Der Wind bietet meistens schlappe NW 2, zuletzt noch weniger.

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Also geht es wieder nicht ohne den Diesel. Das ist nun mal der Preis einer solchen Wetterlage, es reicht nur für eine dreiviertel Stunde Segeln. Einen Hafentag wollen wir in IJmuiden jetzt nicht machen, der ist für Scheveningen vorgesehen.

Scheveningen hat sich in den letzten Jahren zu einem Hafen entwickelt, den ich möglichst gemieden habe. Regine hatte ihren ersten und prägenden Eindruck davon vor zwei Jahren. Da bekamen wir wegen totaler Überfüllung nur einen Liegeplatz längs eines relativ großen Berufsschiffes, dieses war immerhin so groß, dass wir darüber nicht an Land konnten. Scheveningen hat also einiges bei uns gut zu machen!

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Weil für den nächsten Tag fast kein Wind vorhergesagt ist, wollen wir der Stadt mit dem Hafentag die Chance dazu geben.

Überraschend gibt es nette kompetente Hafenmeister und neue gute Sanitäranlagen. Ein ganz anderes Scheveningen als früher. Im Laufe des Nachmittags wird der Hafen gut voll.

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Abends ist die Entscheidung, in welchem der ansprechenden Restaurants am Hafen wir essen gehen, nicht ganz einfach. Die Auswahl ist reichlich.

Die schöne Abendstimmung rundet den Tag ab.

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Fr., 26.07.13, Hafentag


Der nächste Tag ist tatsächlich heiß und windarm. Vor der Küste finden internationale Jollenregatten statt. Wegen eines Gewitters werden sie kurzfristig unterbrochen. Die Boote werden von den Begleitbooten zusammengetrieben und zur Küste geleitet.

Ansonsten ist Scheveningen eben immer noch Scheveningen. Die offenherzigen Urinoirs stehen überall unübersehbar herum, es scheint gegenüber dem “Wildplassen” das kleinere Übel zu sein.

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Bloß sauberer und besser organisiert als früher.

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Die baulichen Veränderungen und die Kunst auf der Promenade gefallen uns gut.

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Da steckt endlich ein sichtbares Konzept hinter. An vielen Stellen verträgt sich neue mit alter Architektur.

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Und Leute gucken kann man immer noch, ohne dass Langeweile aufkommt.

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Scheveningen – Hellevoetsluis, Sa., 27.07.2013, 09.00 – 16.25 h, 32 sm, 14.90 €


Der Wetterbericht verspricht wieder verträumte Nordost 1-2, aber zwischendurch eine Gewitterfront mit Böen bis 50 Knoten. Das ist immerhin Windstärke 10. Im Hafen wird eifrig diskutiert, auslaufen oder abwarten? Diese Front wird in allen Medien thematisiert, sie erstreckt sich über halb Europa.

Ich entscheide mich für Auslaufen, einige andere Boote auch. So viel Wind ist für unser Boot nicht dramatisch, wenn man sowieso keine Segel oben hat. Länger als 20 oder 30 Minuten dauert so etwas erfahrungsgemäß meistens nicht.

Gegen 09.00 fahren wir los.

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Unter der Küste ist zunächst schlechte Sicht, weiter draußen sind es rund zwei Meilen.

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Das reicht mir auch für die Maasmond-Querung. Maasmond wird die Mündung der Maas mit der Einfahrt zum Komplex des Rotterdamer Hafens genannt.

Es ist ein besonders verkehrsreiches Gebiet, das man in einem bestimmten Korridor überqueren soll.

Der Wind ist, wie angesagt, schlapp, also motoren wir. Jedes Boot, das sich über Funk für die Maasmond-Querung anmeldet, bekommt noch einmal eine detaillierte Ansage wegen der Front. Viele Boote drehen daraufhin dann doch ab Richtung Rotterdamer Hafen.

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Gegen halb zwölf sind die schwarzen Wolken da und der Tanz geht los.

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Störender als der Wind ist dabei der waagerechte Regen.

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Nach einer Viertelstunde ist das Heftigste vorbei, nach einer weiteren halben Stunde auch das restliche Gewitter.

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Noch mal eine Stunde später hört auch der Regen endlich auf. Die See ist wieder glatt wie ein Ententeich, keine Chance zum Segeln.

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14.20 sind wir an der der Goeree-Schleuse, eine Stunde später durch und im Haringvliet. Endlich ist genug Wind zum Segeln bis Hellevoetsluis. Besser dieses knappe Stündchen als gar nicht!

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Wir wollen in den Stadthafen, aber da ist eine große Segel-Veranstaltung und alles reserviert. Also biegen wir ab in den anderen Hafen, wo vier Vereine ihre Häfen haben.

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Der erste ist im flairfreien Südstaatenlook mit entsprechendem Bungalowpark und fast ausschließlich fetten Motorbooten. Nicht das richtige Ambiente für segelnde arme Schlucker wie uns. Also fahren wir in den mittleren Vereinshafen.

Der ist in Ordnung.

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Auffallend ist bloß die originelle Befestigung vieler einheimischer Boote mit gewaltigen Eisenketten.

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Na ja, deren Gewicht mag der Ruckdämpfung dienen.

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Wir wandern ins Städtchen, das außer der erwähnten Veranstaltung wenig zu bieten hat.

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Die Boote, die daran teilnehmen, sind allerdings ein Augenschmaus und der Magen kommt in dem Restaurant auf dem Molenkopf zu seinem Recht.

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Von dort aus können wir den meist schönen alten Booten beim Einlaufen nach ihrer Regatta zusehen.

Eine Alternative zu Stellendam wird Hellevoetsluis für uns aber in Zukunft nicht sein.

 

 

Hellevoetsluis – Benedensas, So., 28.07.2013, 11.40 – 17.15 h, 23 sm, 11.30 €


Endlich wieder ein Segeltag, SW 4-5 bei sonnigem Wetter! Gleich vor dem Hafen gehen die Segel hoch und anderthalb Stunden später unterqueren wir die Haringvlietbrug. Durch unseren relativ kurzen Mast brauchen wir nicht auf die Öffnung der Brücke zu warten.

Kurz darauf sind wir an der Volkeraksluis, die uns eineinviertel Stunden aufhält.

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Es ist viel Verkehr, vor allem auch Binnenfrachter, wie man sie vom Rhein kennt.

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Wir machen in dem etwas abseits jedoch idyllisch gelegenen Benedensas im kleinen Vereinshafen des WSV Volkerak fest.

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Es gibt nicht einmal überall Handy-Empfang, von WiFi gar nicht zu reden.

Eine restaurierter Schleusenkomplex aus dem frühen 19. Jahrhundert, ein Cafe daneben und das Schleusenwärterhäuschen, das ist alles.

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Mehr braucht man auch nicht. Von der nächsten Ortschaft sieht man nur am Horizont die Spitze eines Kirchturms. An die etwas jüngere Vergangenheit erinnert ein Bunker des Atlantikwalls an der Schleuse. Schließlich war hier bis 1985 noch Gezeitengebiet, also quasi Küste. Hinter der Schleuse sehen wir noch den geringfügig größeren Hafen eines weiteren Vereins. Den nehmen wir uns für das nächste Mal vor. Es gefällt uns hier nämlich gut.

 

 

Benedensas – Colijnsplaat, Mo., 29.07.13, 10.40 – 16.30 h, 26 sm, 19.12 €

 

Die Segel setzen wir wieder gleich vor der Hafenzufahrt bei SW 4 und Sonne und eine dreiviertel Stunde später sind wir vor der nächsten Schleuse, der Krammersluis. Sie hält uns nur 25 Minuten auf.

Bei SW 4 kreuzen wir gen Westen, es ist wieder viel Berufsverkehr.

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Der Wind legt noch ein bisschen zu und über Funk kommt eine Windwarnung für SW 6. Nachmittags gibt es mal ein paar Tropfen Regen, aber mehr nicht. Dafür zieht man in so einem Sommer nicht einmal eine Jacke an. Gegen halb vier unterqueren wir die gigantische, über fünf Kilometer lange, Zeelandbrücke.

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Auch bei ihr brauchen wir nicht auf die Öffnung zu warten. Dahinter kreuzen wir noch ein Stündchen und machen dann in dem ehemaligen Fischerörtchen Colijnsplaat fest.

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Mittlerweile wird der Hafen von der Marina bestimmt. Es war wieder ein toller sommerlicher Segeltag, sportliches Kreuzen mit über dreißig Wenden bei leicht bedecktem Himmel und viel Sonne. Der Kibbeling direkt am Fischereihafen ist einer der besten, die uns überhaupt bisher untergekommen sind.

 

Di., 30.07.13, Hafentag


Waschtag. SW 5-6, nachmittags, wie vorhergesagt, immer wieder leichter Regen. Ab Spätnachmittag bis nachts Dauerregen mit nur kurzen Unterbrechungen. Das ist der Hauptgrund, den Waschtag hier und heute einzulegen. Einmal mehr wissen wir die Kuchenbude zu schätzen. Wir fahren sie grundsätzlich cabriomäßig permanent, so dass sie bei Bedarf in einer Minute oben ist.DSCN7381

 

 

Colijnsplaat – Roompot Marina, Mi., 31.07.13, 8 sm


Sonnig, heiß. SW knapp 5. Beim strammen Kreuzen merken wir, dass der Kühlschrank sich gelöst hat. Er ist bei uns unter dem Kartentisch montiert. Keine guten Voraussetzungen für die offene See.

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Da wir auch noch mal Strandlaufen wollen, machen wir aus dem Tankstopp in der Roompot Marina eine Übernachtung und fahren mit den Falträdern zur Nordseeseite der Osterscheldekering.

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Roompot Marina– Nieuwpoort, Do., 01.08.13, 09.00 – 20.00 h, 55 sm, 23.30 €


Die Roompot-Schleuse wartet schon auf uns, nach zwanzig Minuten sind wir durch.

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Danach schlagen wir erst einen nordwestlichen Kurs ein, der uns nach England bringen könnte. Wohin wir fahren, wollen wir auch diesmal spontan entscheiden. Aber es ist wieder viel zu wenig Wind.

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Also drehen wir ab, weiter die Küste runter Richtung Kanal. Zunächst müssen wir wieder für eine Stunde den Motor bemühen, weil wir gegen die Gezeitenströmung sonst nur auf der Stelle segeln können. Mittags hat Rasmus ein Einsehen und schickt wenigstens einen Südost 2-3. Ab Höhe Westkapelle war es wieder herrliches ruhiges Sommersegeln, sehr heiß.

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Ab halb drei haben wir auch Schiebestrom und nachmittags legt der Wind weiter zu.

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Am frühen Abend sind es Südost 4-5 und der Wind ist ungewöhnlich warm. Schließlich kommt er ja auch vom aufgeheizten Festland. Abends nimmt er wieder etwas ab auf ONO 3-4.

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Wir wollen segeln so lange und so weit wir Lust haben und passieren erst Blankenberge, dann Ostende. Um 20.00 h machen wir in Nieuwpoort fest.

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Wir packen rasch die Fahrräder aus und fahren zum Strand um den soundsovielten kitschigen Sonnenuntergang nicht zu verpassen…

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Fr., 02.08.13, Hafentag


In Nieuwpoort sind wir immer wieder gerne, deshalb ist ein Hafentag Pflicht. Strandlaufen, Flanieren, Shoppen, natürlich bei Sommerwetter vom Feinsten.

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Nieuwpoort – Breskens, Sa., 03.08.13, 08.50 – 17.20 h, 50 sm, 20.30 €


Die Wetterprognosen sind etwas uneinheitlich, jedenfalls westlich zwischen 4 und 6. Wir laufen erst mal aus und wollen schauen, wie es tatsächlich aussieht. Bei charmanten Bedingungen wäre Ramsgate ein nettes Tagesziel. Da sind wir auch immer wieder gern. Wir treffen W 4-5 an, aber eine schon oder noch ziemlich ausgeprägte Welle. Wir müssten den ganzen Tag hoch am Wind fahren, also gefühlt eine Windstärke mehr. Dazu haben wir keine Lust, zumal ich der Wettervorhersage nicht traue.

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Der Himmel sieht nach mehr Wind aus. Wir drehen auf einen unverbindlichen Nordkurs ab. Mit vollem Groß und leicht gereffter Genua ist das ein Raumschots-Kurs, bei dem das Segeln unheimlich Spaß macht. Brynja surft nur so durch die Gegend, von der Segelfläche her ist es grenzwertig.

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Die Wellen haben etwa einen Meter. Mit diesem Kurs wollen wir uns sowohl die englische als auch die flämische Option erst mal offen halten. Wind und Wellen nehmen aber zu, nach einer Stunde wird das Großsegel einfach gerefft. Es ist heiß, SW–WSW 5, Sonne satt, tolles Segeln. Schließlich müssen wir einem Windpark ausweichen. Dabei drückt uns eine Welle ausgerechnet während einer Halse zu schnell herum. Danach ist etwas mit dem 1. Reff nicht mehr in Ordnung, der Baum hängt zu weit durch. Mit dem teilweise gesetzten 2.Reff fange ich das ab, aber so macht das nicht mehr richtig Spaß. Jetzt haben wir WSW 5-6, die Wellen sind bei anderthalb Metern und wir rollen erst mal die Genua weg, um platt vor dem Wind zu fahren und dem Windpark ausweichen zu können. Anschließend wird die Genua wieder gerefft ausgerollt und Regine holt das Großsegel bei Halbwind runter.

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Das ist bei anderthalb Meter Welle und jetzt WSW 6 ein Eiertanz am Mast. Natürlich brav mit Weste und eingepickt. Es ist immer noch wunderbar sonnig und warm. Anderthalb Stunden später sind die Wellen noch etwas höher, öfter um die zwei Meter und brechen teilweise.

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Wir haben das Luk zu und sind beide eingepickt, eher selten bei uns. Aber unter diesen Bedingungen muss man mit Grundseen rechnen. Wir beglückwünschen uns zu unserer Entscheidung, wieder nicht Kurs nach England genommen zu haben.

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Wir haben Kurs unter die Küste und dann Richtung Breskens genommen, ab 15.00 h haben Wind und Wellen den Höhepunkt ihrer Entwicklung überschritten. Der Revierfunk Vlissingen meldet aktuell immer noch WNW 5-6. Seit Höhe Cadzand haben wir zwei Knoten Gegenstrom und deshalb die Genua ausgerefft. Der Wind geht allmählich auf 4 zurück. Den Motor brauchen wir erst in der Hafeneinfahrt von Breskens anzuwerfen, nachdem wir uns um das letzte Kap davor so eben herum lügen konnten.

Im Hafen stellen wir fest, dass das Großsegel unten einen Riss hat.

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Eine Kausch der Reffleine ist ausgerissen. Das muss repariert werden.

Beim Einlaufen sehen wir sofort, dass wir ausgerechnet wieder das Wochenende erwischt haben, an dem in Breskens die Fischereitage sind. „Het grootste feest van Zeeland“… Na gut, aber jetzt sind wir einmal da. Also machen wir das Beste daraus und sehen uns den Trubel aus der Nähe an.

 

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Das ist eine Mischung aus Kirmes und Trödelmarkt. Leider sind die Stände auf dem Markt fast alle professionell und verkaufen mehr oder weniger sogar den gleichen Billig-Kram ostasiatischer Herkunft. Schade! Dazu ein großes Festzelt direkt am Hafen die Menschenschleuder „Aircrash“, an die 40 m hoch und DER Kreisch-Erzeuger schlechthin!

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Wir schlendern herum und gehen dann im Yachtclub essen. Sehr lecker und empfehlenswert! Danach wollen wir Duschen gehen, aber Duschmarken gibt es nur beim Hafenmeister und der hat Feierabend. Davon hätte der auch ruhig beim Bezahlen was sagen können!

Abends gibt es keine Ruhe. Der „Aircrash“ dreht seine letzte Runde mit kreischenden Mädchen nachts um halb drei. Das Festzelt mit Livemusik und anfeuernden Lautsprecher-Sprüchen ist bis halb sechs in Betrieb. Während der ersten Stunden versucht eine Dixieland-Band wieder, im Yachtclub gegen die lärmende Geräuschkonkurrenz anzukommen, wenig erfolgreich. Mir Ohrstöpseln bekommt man so etwas Ähnliches wie Schlaf hin und ist morgens gerädert.

 

 

Breskens – Vlissingen, So., 04.08.13, 3 sm, 21.60 €


Morgens ist deshalb die Flucht aus Breskens angesagt, obwohl es in Breskens mehrere Segelmacher am Hafen zu geben scheint.

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Ich rufe „gegenüber“ in Vlissingen beim Hafenmeister des De Ruyter Havens an, um einen Platz zu reservieren. Er hat noch keine Übersicht, will bis Mittag zurückrufen. Gegen halb zwölf ruft er an, wir machen uns sofort auf den Weg und 40 Minuten später in Vlissingen fest.

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Es ist wieder heiß, W 2, Sonne satt. Abends sehen wir, dass in Breskens immer noch Trubel ist und der „Air Crash“ sich dreht. Der Hafenmeister gibt mir eine Adresse in einem Vlissinger Industriegebiet, wo ein Segelmacher ist. Dieser Hafen liegt mitten in der Stadt, gleich am Boulevard. Er ist ziemlich klein und kann wegen seines Drempels etwa von vier Stunden vor bis vier Stunden nach Hochwasser angelaufen werden. Der Drempel ist eine Schwelle unter Wasser, die ein Leerlaufen des Hafens bei Niedrigwasser verhindert. Die Fußgängerbrücke über die Hafeneinfahrt wird auf Anforderung zügig bedient. Man kann davor so lange festmachen.

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Achten muss man auf die Lotsenboote, die gleich daneben ihren Hafen haben und ständig rein und raus brettern. Nachts steht diese Brücke auf. Dann ist Auslaufen erlaubt, aber kein Einlaufen.

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Mo., 05.08.13, Hafentag


Der Tipp vom Hafenmeister taugt nichts! Wir haben das Großsegel abgenommen und in eine dieser Ikea-Taschen gepackt, die man ganz verschießen und wie einen Rucksack tragen kann. IMG_4977

Dann bin ich mit dem Faltrad los, wieder bei erstklassigem heißen Sommerwetter. Den Segelmacher finde ich auch, aber er arbeitet gar nicht mehr mit richtigen Segeln, sondern nur noch mit PVC und dergleichen für Planen. Immerhin kann er mir sagen, wo der nächste richtige Segelmacher sitzt, nämlich in Middelburg. Die Navi-Software in meine iPhone sagt mir, dass es 9 km dort hin sind. Also los, den größten Teil der Strecke landschaftlich schön am Kanal entlang. Die Adresse, die ich bekommen habe, stimmt nicht ganz, aber schließlich finde ich den Betrieb. Die Leute sind sehr freundlich und hilfsbereit. Sie wollen die Reparatur zwischen den normalen Arbeiten kurzfristig machen. Ich fahre so lange in die Stadt und schaue mir Middelburg an. Auch da bin ich lange nicht mehr gewesen. Gerade als ich telefonisch mit Regine verabredet habe, dass sie mit ihrem Faltrad auch nach Middelburg kommt, ruft der Segelmacher an. Das Segel ist fertig, die andere Reffleinenöse hat er vorsorglich auch nachgearbeitet. Ich hole das Segel ab, die Reparatur kostet 50 Euro.

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Also, wenn in der Gegend mal jemand einen Segelmacher braucht, ich kann einen empfehlen! Das ist übrigens einer der wenigen Nostalgiker, der die meisten Segel noch selbst macht. Dann packe ich mir das Segel wieder auf den Buckel und fahre zurück nach Vlissingen. Regine wollte eigentlich mit dem Rad nachkommen nach Middelburg, aber das lohnt sich gar nicht mehr.

 

 

 Vlissingen – Wemeldinge, Di., 06.08.13, 11.40 – 18.00 h, 28 sm, 18.20 €


Vormittags machen wir das Großsegel wieder klar. Dabei stellt sich heraus, dass die vordere Leine des 1. Reffs im Baum verschwunden ist, so ein Mist! Also erst mal traditionell reffen oder ohne 1.Reff auskommen.

Kurz vor Mittag verlassen wir den Hafen und überqueren sofort das Fahrwasser. Bei NNW 2-3 setzen wir dann erst die Segel. Die Flut schiebt deutlich mit, die Westerschelde hinauf. Wir kennen uns da noch nicht aus und wollen mal sehen, wo wir landen.

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Ich habe mich für das südlichste und schmalste von drei Fahrwassern entschieden, weil ich dort weniger Verkehr erwarte. Das stimmt aber nur anfangs. Im Gebiet der Hafenanlagen von Terneuzen bevorzugen auch die großen Containerschiffe diese Route, was viel Aufmerksamkeit verlangt. Beim Passieren dieses Abschnitts nehmen wir die Genua weg und lassen den Motor eine halbe Stunde mit schieben. Dort ist zu viel los für gemütliches Segeln bei diesem schlappen Wind.

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Es ist wieder sonnig und warm. Die Strömung braucht sich nicht hinter den Verhältnissen auf der Elbe zu verstecken, über drei Knoten Schiebestrom gibt es auch hier. Kurz vor drei bleibt der Wind fast ganz weg. Die Überquerung des Fahrwassers vor der Einmündung zum Kanaal door Zuid Beveland ist spannend. Viel Strömung, viel Verkehr und eine scharfe Kurve im Fahrwasser kommen bei Hansweert zusammen.

Vor der Schleuse müssen wir nur ein paar Minuten warten, dann sind wir drin. Nach weiteren zehn Minuten sind wir geschleust. Das sind ganz andere Zeiten als wir bisher aus Zeeland gewohnt sind. Die Ernüchterung lässt nicht lange auf sich warten. Ein paar hundert Meter weiter ist eine Brücke, die Vlakebrug. Vor der fahren wir nun Kringel, lassen uns treiben und hoffen. Es dauert schließlich eineinviertel Stunden bis sie endlich öffnet. Der Kanal selbst ist nur ein paar Meilen lang. Eine weitere Brücke kommt noch, aber die geht nach zehn Minuten auf.

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Eine halbe Stunde später sind wir in der Marina von Wemeldinge, das liegt gleich neben der Mündung des Kanals in die Oosterschelde. Wir liegen im alten Teil des Hafens am Meldsteiger.

 

 

Wemeldinge – Yerseke, Mi., 07.08.13, 11.30 – 12.10 h, 3 sm, 18.80 €


Der Tag ist als verregnet angesagt. In Wemeldinge gefällt es uns aber nicht besonders, deshalb fahren wir das kurze Stück in den nächsten Hafen. Noch ist es leichter schauerartiger Regen bei Ost 3-4. Dann behält die Wettervorhersage recht, es wird ein richtig verregneter Tag.

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 Yerseke – Brouwershaven, Do., 08.08.13, 10.30 – 19.50 h, 35 sm, 18.00 €


Das Wetter hat sich ausgetobt, nun ist es wolkig mit viel Sonne und warm, NNW 4. Wir kreuzen gemütlich über die Oosterschelde westwärts. Die Gezeitenströme sind hier nur noch schwach ausgeprägt. Vor lauter Herumschauen laufen wir fast auf die Galgeplaat auf. Im letzten Moment machen wir auf der Hacke kehrt, unter begeistertem Piepen des Tiefenalarms. Er ist auf 1.5 m eingestellt… Vor der Zeelandbrücke biegen wir nach Osten ab.

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Leider nimmt der Verkehr zu und der Wind ab. Ein oder zwei Mal lassen wir sogar für ein Minütchen den Motor mitlaufen, um Frachtern aus dem Weg gehen zu können. Der Wind ist bestenfalls NW 3, meist aber veränderlich in der Stärke. Da machen sich auch die Einflüsse von Bewaldung und Bebauung bemerkbar. Insofern hat das Segeln in Zeeland vielerorten etwas vom Talsperrensegeln.

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Kurz vor vier sind wir mal wieder vor einer Schleuse und müssen warten. Schleusen und das Warten davor scheinen in Zeeland einen erheblichen Teil des Segelns auszumachen, gefühlt jedenfalls. Das hängt damit zusammen, dass beim Schleusen Salzwasser und Süßwasser getrennt werden, was eben seine Zeit braucht. Für die Grevelingensluis brauchen wir jetzt eineinviertel Stunden. Wir setzen gleich wieder die Segel und kreuzen weiter. Es sind enorm viele Boote unterwegs, dazu Surfer und sogar Schwimmer. Kein wirklich entspanntes Segeln. Dagegen ist das Ijsselmeer touristisch unterentwickelt, hätte ich so nicht gedacht. Der Wind bietet NW 2 plus, Sonne satt, allmählich wird es ruhiger auf dem Wasser. So spät am Tag haben die meisten längst ihr Ziel erreicht oder motoren.

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Dabei ist es ein herrlicher Sommerabend. Erst in der Hafeneinfahrt von Brouwershaven verlässt uns der Wind.

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Der Hafenmeister ist natürlich längst zuhause. Ein Schild an seinem Büro teilt mit, dass man sich einen Platz im Oude Haven suchen soll. Den SEP-Key für die Benutzung der Sanitäranlagen bekommt man angeblich im Restaurant Swarte Swan.

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Einen guten Liegeplatz finden wir auch, bloß einen SEP-Key gibt es in dem Restaurant nicht mehr. Vielleicht im Yachtclub, gegenüber am Ende des Hafens… Also traben wir dort hin. Aber auch da bedauert man und kann uns nicht helfen. Keine gute Lösung.

 

 

Brouwershaven – Benedensas, Fr., 09.08.13, 13.15 – 18.20 h, 18 sm, 10 €


Brouwershaven ist trotzdem eine ausführlich Besichtigung wert, auch ein paar interessante kleine Geschäfte findet Regine.

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Daher fahren wir erst spät los. Dank eines komfortablen SSW 3 sind wir nach zwei Stunden wieder vor der Grevelingensluis, müssen nur eine Viertelstunde warten und sind zehn Minuten später durch. Gleich wieder die Genua hoch und nach einer halben Stunde sind wir schon vor der nächsten Schleuse, der Krammersluis. Nach einer halben Stunde sind wir durch und segeln bei S 2 noch ein Stündchen. Wir entschließen uns, wieder in Benedensas zu übernachten, diesmal in der anderen Marina.

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Dafür müssen wir durch die dritte Schleuse des Tages. Aber die steht so gut wie immer offen und man muss nur auf eine kleine bewegbare Fußgängerbrücke warten.

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Diese Marina ist sehr liebevoll gemacht, eine echte Empfehlung. Und das für so einen Tarif!

 

 

Benedensas – Willemstad, Sa., 10.08.13, 11,50 – 15.00 h, 10 sm, 20.72 €


Gegen Mittag fahren wir weiter. Es ist der bisher kühlste Tag des Urlaubs. Wir müssen doch tatsächlich richtige Jacken anziehen!

Nach einer guten Stunde steht die Volkeraksluis auf dem Programm, dafür brauchen wir anderthalb Stunden.

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Die Schleusenmeisterin muss manchen Booten persönlich erklären, was sie machen sollen. Aber sie bleibt locker und ruhig dabei.  Kein Vergleich mit dem Ton in mancher deutschen Schleuse.

Für eine Viertelstunde zupfen wir noch mal die Genua hoch, dann sind wir in Willemstad und fahren in die Batterij Marina.

Der Tag wird noch mal ein kleiner Waschtag und natürlich darf die Stadtbesichtigung nicht fehlen.

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Willemstad – Stellendam, So., 11.08.13, 10.35 – 14.20 h, 18 sm,  20,00 €


Wir kreuzen das dicht befahrene Fahrwasser direkt vor der Marina und setzen dann die Segel. Der Wind bietet ideale SW 4, es ist bewölkt und nur etwas sonnig. Nach zehn Minuten sind wir schon unter der Haringvlietbrug durch. Der Himmel zieht sich ganz zu und nach zwei Stunden gibt es leichten Regen. Anschließend ist der Wind nur noch S 2 und wir schlendern quasi das Ufer entlang und können uns in aller Ruhe die Gegend ansehen. Eine halbe Stunde später dreht der Wind wieder und frischt auf, erst böige W 4, dann W 5-6 mit ausdauernden 7er Böen.

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Dazu gibt es dann heftigen Regen. Der Wind pendelt sich bei kaum noch Regen auf W 6 ein. Wir rollen die Genua ein und nutzen die Gelegenheit, nur unter Großsegel verschiedene Manöver durchzuspielen und auszuprobieren, wie Beiliegen am Besten geht. Dabei kreuzen wir allmählich Richtung Stellendam, wo wir erst unmittelbar vor der Marina das Segel runternehmen. Die Segel möglichst früh zu setzen und möglichst spät zu bergen ist eine Marotte von mir. Manchmal übertreibe ich das allerdings etwas, zugegeben… Auch diesmal haben wir uns, wie schon häufig, über Funk (Kanal 31) einen Liegeplatz zuweisen lassen, das klappt prima.

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Stellendam – IJmuiden, Mo., 12.08.13, 08.35 – 20.20 h, 55 sm, 21.90 €


Diesmal müssen wir relativ früh los, um halbwegs günstige Strömung zu haben. Mit Wartezeit brauchen wir für die Goereesluis eine Stunde.

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NW 3, bedeckt, warm. Wir können eine Viertelstunde segeln, müssen dann aber eine halbe Stunde den Motor benutzen, um gegen Wind und Strömung fahren zu können. Dann folgen wir nicht weiter der betonnten Fahrrinne, sondern biegen direkt nach Norden ab und setzen die Segel. Mit W 2-3 ist kein gutes Vorankommen. Nach einer Stunde haben wir zu wenig Wind und noch zu viel Gegenstrom, also wieder motoren. Wir melden uns frühzeitig bei Maasmond an. Die Strömung hat seit dem Bau der Maasvlaakte II an die drei Knoten. Das hatte ich schon gehört, aber gar nicht mehr dran gedacht. Entsprechend lahm kommen wir voran, ausgerechnet bei der Querung dieser Fahrrinne! Nächstes Mal berücksichtigen wir das und planen die Querung so, dass wir Schiebestrom haben. Vor der Hafenerweiterung war der Strom hier nicht so ausgeprägt. Um halb zwei sind wir durch, setzen wieder die Segel und der Motor hat Ruhe. Der Wind rafft sich zu W 3-4 auf, es gibt allmählich mehr Wolkenlücken. Im Laufe des Nachmittags wird es immer sonniger; der Wind bleibt bei komfortablen 4, später 3 aus West. Diesmal bleiben wir weit draußen und sehen Scheveningen nur von fern. Ich habe selten so gute Sicht bei der Querung von Maasmond gehabt!

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Erst abends macht sich ab Höhe Noordwijk Schiebestrom bemerkbar und der Wind legt wieder etwas zu. Es steht noch eine ordentliche Dünung, die aber annähernd zur Windrichtung passt. Vor IJmuiden melden wir uns über Funk an, es ist alles frei. Unmittelbar vor der Einfahrt nach IJmuiden steht eine richtig fiese Kabbelwelle aus Dünung, aktueller Windsee von W 4-5 und reflektierten Wellen von den Molen. Mit beiden Segeln laufen wir vor dem Wind ein. Das Groß ist mit einem Bullenstander gesichert, der ins Cockpit umgelenkt ist. Regine kümmert sich darum, dass er schön stramm bleibt. Die Einfahrt ist ein heftiger Wellenritt. Ich rolle die Genua lieber ein, um platt vor dem Wind flexibler zu sein. Plötzlich knallt es, der Baum ist rüber gekommen: Patenthalse unter solchen Bedingungen! Regine schreit auf, dann sitzt sie bleich da und starrt auf ihre Hand, die heftig blutet. Die Kuppe des Mittelfingers sieht ziemlich matschig aus, ich befürchte das Schlimmste. Ich will sie runter schicken, damit sie sich etwas Passendes aus dem Verbandskasten auf die Wunde drückt, um die Blutung zu stillen. Sie will aber nicht, kann sich nicht festhalten und wir bolzen immer noch ziemlich heftig durch die Gegend. Ich habe den Motor gestartet, fahre in einen ruhigeren Teil des Vorhafens und berge rasch das Großsegel. Dann pflücke ich unsere Bordapotheke auseinander und werfe alles nicht direkt Brauchbare erst mal in die Spüle. Was ich suche finde ich aber nicht. Ich nehme so flott es geht Kurs auf die Marina. Mittlerweile kann Regine runter gehen und selbst suchen. Sie hat mehr Erfolg als ich. Beim Klarmachen der Fender und Leinen will sie schon wieder helfen. Wir machen längsseits am Passantensteiger fest, ordnen nur das Nötigste und gehen schleunigst zur Rezeption.

Ich will, dass sich zumindest ein Arzt die Hand ansieht. Die junge Frau in der Rezeption ist hilfsbereit. Sie telefoniert herum. Mittlerweile ist es fast neun Uhr abends. Der Arzt der Rettungsbrigade am Strand ist gerade noch da, wir gehen rasch rüber. Er sieht sich alles an, es scheint nicht gebrochen zu sein. Alles sieht schon weniger dramatisch aus. Er empfiehlt uns aber, ins Krankenhaus nach Beverwijk zu fahren und schlägt die entsprechenden Busverbindungen vor. Mir ist mehr nach Taxi, aber an der Haltestelle kommen wir sowieso vorbei. Natürlich fährt um die Zeit kein Bus mehr. Wir gehen in eine Eisdiele, aber das Mädel da kriegt es nicht hin, eine Taxirufnummer zu finden. Also weiter in das Holiday Inn. Irgendwie haben wir es heute mit Rezeptionen. Die junge Frau dort ist die Hilfsbereitschaft in Person. Sie checkt die Busverbindungen, die taugen tatsächlich nichts mehr um diese Zeit. Dann schlägt sie uns vor, uns mit ihrem Auto zu fahren, aber sie habe erst um elf Schluss. Auch von ihren Kollegen kann keiner mal eben. Das Taxi würde 35 Euro kosten, das will sie uns ersparen. Sie ärgert sich, weil der Arzt der Rettungsbrigade sich so lustlos verhalten hat. Nach ihren Worten haben die nämlich ein Auto und hätten uns durchaus auch selbst zum Krankenhaus bringen können. Andererseits hatten die wohl schon Feierabend… Schließlich telefoniert sie sich noch die Finger wund, um überhaupt ein Taxi für uns zu bekommen auf das wir allerdings eine halbe Stunde warten müssen. Taxifahrer scheinen in Holland durchweg gepflegte junge Herren im Anzug sein, wohlriechend und höflich. Der Taxifahrer bringt uns sehr zügig zum Krankenhaus. Dort müssen wir nur kurz warten, dann wird Regine versorgt. Nach Säuberung und Versorgung der Wunde sowie Auffrischung der Tetanus-Impfung sind wir schon wieder gelassener. Wir dürfen gleich bezahlen, schlappe 235 Euro. Kurz vor dem Urlaub hatten wir noch über eine Auslands-Krankenversicherung gesprochen, dann aber nicht mehr daran gedacht… Dann wiederholte sich das Theater mit der Taxi-Bestellung. Der Pförtner im Krankenhaus ruft eine Taxinummer nach der anderen an, sicher zehn bis zwölf Versuche. Er hatte mehrere Stapel mit Geschäftskarten von Taxiunternehmen auf seinem Tresen liegen. Außerdem recherchiert er noch im Internet. Schließlich findet er jemanden und wieder müssen wir eine halbe Stunde warten. Die Fahrt kostet übrigens nur jeweils 31 Euro. Um halb eins sind wir wieder auf dem Boot.

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Den Rest des Urlaubs ist Spülen nun meine Sache. Verdient, dieser Stunt hätte nicht unbedingt sein müssen. Wir rekonstruieren, dass Regine den Bullenstander aus der Hand gefahren hatte, d.h. die Leine zwei Mal um die Hand gewickelt und nicht belegt. Als der Baum rüber kam, wurde ihre Hand schlagartig in die Durchführung der Leinen nach vorne gerissen. Also haben wir eigentlich noch ganz viel Glück gehabt, dass nicht mehr passiert ist. Ich gelobe jede Menge Besserung! Vielleicht werde ich ja sogar noch vernünftig…

 

Hafentag, 13.08.13

Wir hätten um fünf Uhr wieder aufstehen müssen, um die Strömung ordentlich nutzen zu können. Das muss jetzt wirklich nicht sein! Ein Schontag ist angesagt, bei schönstem Sommerwetter. Zuerst wandern wir hinaus zu den Molenköpfen. Auch von dort aus wirkt die Wellensituation im Umfeld der Hafeneinfahrt abenteuerlich, obwohl die Wellen jetzt gleichmäßig sind. Die Brandung zerplatzt schon bei vier oder fünf Windstärken dekorativ an den Molenköpfen.

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Ein- und auslaufende Boote zeigen sehenswerte Ritte. Schade, dass uns niemand fotografiert hat!

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Nachmittags machen wir eine herrliche Strandwanderung nach Süden, einfach immer am Flutsaum entlang. Zum Abschluss gibt es ein Abendessen in einem der Strandrestaurants.

 

 

Ijmuiden – Oudeschild, Mi., 14.08.13, 06.40 – 13.45 h, 40 sm, 26.53 €


Wenn man sich den Strom richtig zum Freund macht, ist es genau die richtige Distanz nach Texel, auch bei wenig Wind wie heute, WSW um 3. Wieder gibt es Sonne satt, der Schiebestrom macht sich etwa ab acht Uhr bemerkbar.

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Die Wolken modellieren Regines Finger nach.

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Um sieben ziehen wir vor der Hafeneinfahrt von Ijmuiden die Segel hoch, viertel vor zwei laufen wir bei Stillwasser in Oudeschild ein. Die letzten Meilen unter der Texelschen Küste sind talsperrenartiges Segeln mit ständig wechselndem Wind zwischen null und vier. Aber ich darf wieder bis ganz zuletzt segeln. Der Jachthaven ist vielleicht halb voll.

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Wir suchen uns einen Platz am ersten Steiger, mit Blick auf die Hafeneinfahrt. Da liegen wir am liebsten, trotz der etwas knappen Boxen. Es gibt dort am meisten zu sehen. Wir geben endlich unseren SEP-Key zurück. Entgegen den ursprünglichen Ankündigungen wird nicht nur das Guthaben ausgezahlt, sondern auch das Pfand erstattet.

 

 

Hafentag, 15.08.13

 

SW 5, mittags ein paar Stunden Regen, ansonsten ein richtiger Sommertag. Wir fahren mit den Falträdern nach Den Burg. Regine hat einer Kollegin versprochen, ihr aus einem bestimmten Laden zwanzig Knäuel einer ganz bestimmten Wolle mitzubringen. Natürlich ist genau dieser Laden als so ziemlich einziger in der Stadt geschlossen…

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Aber das Shoppen lohnt sich auch so für sie. Ab 17.00 werden hier aber die Bürgersteige hochgeklappt, die meisten Geschäfte schließen, das vorher zahlreiche touristische Volk zerstreut sich rasch.

 

 

Oudeschild – Enkhuizen (via Workum), Fr., 16.08.13, 10.30 – 20.25 h, 48 sm, 17.40 €


Der Urlaub neigt sich jetzt dem Ende zu, Montag muss ich wieder ins Büro. Wir wollen auf jeden Fall zurück ins Ijsselmeer, mal sehen, wie weit. Wegen des missglückten Wolle-Kaufs möchte Regine in Workum vorbei, denn dort gibt es ein gut sortiertes Wollgeschäft. Entsprechend den Gezeiten fahren wir um halb elf los, SW 4. Eine Stunde später SW 3, aber zusammen mit dem Strom reicht es uns, wir fahren nur die Genua. Das Groß würde nur Arbeit machen und abdeckend wirken auf diesen Kursen. 13.40 geht unmittelbar vor der Schleuse der Motor an und die Genua weg, fünf Minuten später sind wir schon in der Schleuse und um 13.55 durch. Das haben wir hier auch schon ganz anders erlebt, Glück gehabt. Das Display in der Schleuse zeigt SW 5 und 21°, ideale Bedingungen – schon wieder! Eineinviertel Stunde später sind wir vor Workum, Motor an, Segel runter. Wir fahren durch bis zur Schleuseneinfahrt, machen an einem Boot fest und Regine huscht in die Stadt. Sensationelle 35 Minuten später ist sie wieder da, hat die Wolle erfolgreich bestellt und noch frisches Gebäck mitgebracht. Während wir den Kanal zum Ijsselmeer zurück tuckern, wird Kaffee getrunken und 16.40 gehen die Segel wieder hoch. An dem WSW 4 entlang müssen wir uns zunächst um Stavoren herum hangeln, ausgerechnet da lässt uns der Wind mit W 2-3 etwas im Stich. Danach geht es entspannter und auch der Wind ist mit WSW 4 wieder korrekt. Eingangs des Krabbersgats hat es sich wieder ausgesegelt, den kleinen Rest dieseln wir. Wir wollen ganz durch, in den Buyshaven, unseren Lieblingshafen in Enkhuizen. Der Hafenmeister antwortet natürlich nicht mehr auf Kanal 31, also suchen wir uns eine freie Box. Gleich beim Einbiegen in die erste Gasse werden wir von der Seite angesprochen. Da liegt doch tatsächlich Klaus mit seiner Mareld! Der Kreis hat sich damit geschlossen, er hatte uns ja auch quasi in den Urlaub verabschiedet. Manfred von der Rüm Hart sitzt auch bei ihm im Cockpit und auf dessen Boot versacken wir dann noch gemütlich, nachdem wir rasch geduscht haben.



Enkhuizen – Ketelhaven, Sa., 17.08.13, 13.00 – 16.40 h, 22 sm


Vormittags dürfen wir Rüm Hart besichtigen und uns erläutern lassen, das ist wirklich in vieler Hinsicht interessant!

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Dann noch ein kleiner Streifzug durch Enkhuizen und schließlich geht es unwiderruflich nach Hause. SSW 3, später reichlich 4 machen die Rückfahrt noch einmal zum Vergnügen, auch wenn es sich allmählich zuzieht. Abends gibt es Regen, aber da liegen wir längst in der heimatlichen Box.

 

Insgesamt war es ein toller und zur Abwechslung mal richtig sommerlicher Urlaub. So einen Sommersegelurlaub hatte ich zum letzten Mal 2003. Der Schwerpunkt sollte auf Erholung liegen und das hat geklappt.

2 Kommentare zu “Sommerurlaub 2013

  1. Hallo Frank!
    Habe Euren schönen Blog gelesen. Da ich zur gleichen Zeit im gleichen Gebiet (außer Den Helder) unterwegs war, kann ich vieles gut nach voll ziehen.

    Ich würde auch gerne so einen Blog machen, weißabe rnicht wie das geht. Könntest Du mich mal kurz informieren?!

    Gruß
    Franz-Josef

    „Molly“ bei den Segel-Freunden

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