S.Y. Brynja´s Blog

Schlendern unter Segeln

Wie es zu der C 999 kam

 

Ich erzähle es recht ausführlich, weil ich immer wieder merke, dass so mancher ähnliche Gedanken hat.

Ich hatte vorher eine Najade 930. Ein „altes Schätzchen“. Mit diesem Boot hatten wir schöne Zeiten auf Nordsee, Ostsee und IJsselmeer verbracht.
Das Boot hatte eine Bugkajüte, eine Toilette, einen Salon, eine Küchenecke und einen Kartentisch nebst Hundekoje. Als sie 1971 gebaut wurde war es wohl ein sehr komfortables Boot.
So weit – so gut.
Aus weiblicher Sicht war allerdings sehr schnell klar, dass es, um sich langfristig auf dem Wasser wohl zu fühlen, etwas mehr an Komfort sein sollte, z.B. eine Küche in der man mehr machen kann, als nur eine Dose erwärmen. Kochen sollte auch nicht immer nur auf die Zeit fallen, nachdem man im Hafen eingelaufen ist.
Mir hat manches Mal unterwegs der Magen geknurrt und ich habe mich dann wieder mit Chips über Wasser gehalten. Nachdem man jeweils eingelaufen war und festgemacht hatte konnte frau dann, wenn sie sich gerade gerne ausgestreckt hätte, anfangen zu kochen. Aus Platzgründen hätte das unterwegs keinen Spaß gemacht, denn den Tisch im Salon konnte man ja wegen der Krängung nicht mit einbeziehen und die Ablage zwischen Herd und Spüle gab nicht viel her.
Also haben wir beschlossen, uns nach einem anderen Boot umzusehen, bei dem beide auf ihre Kosten kommen.
Es erst einmal wurden eine Saison lang Boote besichtigt. Mit den Erfahrungen davon wurde eine Liste gemacht, worauf es uns eigentlich bei einem Boot ankommt. Es sollte ja eine langfristige Investition sein, mit der wir später auch mal längere Törns als nur die üblichen 3- 4 Wochen unternehmen möchten und das möglichst nicht nur im Sommer.
Weiterhin wollten wir gerne später mal im Alter die Binnenreviere erkunden und die Möglichkeit haben, nicht nur riesengroße Schläge zu machen, also geringer Tiefgang. Die Najade hatte 1,65 m und das ist beispielsweise im Watt und bei manchen Inseln schon zuviel.
Es sollte zudem ein Boot für fast alle Fahrtgebiete sein, Länge nicht über 10 m, wenig Tiefgang (nicht mehr als 1.30, möglichst ohne Flügelkiel), robust, einfaches Rigg für die spätere Option auf eine Mastlegevorrichtung, viel tatsächlich nutzbaren Stauraum, Inneres hell genug, tatsächlich nutzbares Bad, Platz für nasse Sachen, eine richtige Küche (auch unterwegs nutzbar), echte Stehhöhe, nicht nur an ein paar Stellen (ich bin 1.87 und habe die Faxen diesbezüglich satt!), Radsteuerung (eigentlich lieber Pinne, aber Rad ist für meinen Rücken einfach besser), geschützter Aufenthalt in der Plicht, aber kein Deckshaus, separater Schlafraum (ohne schlafhinderliches Gluckern), WC am Niedergang, Rollgenua, Groß mit Latten, Spibaum, kräftiger Motor, möglichst mit Saildrive und indirekter Kühlung sowie genügend Tank, gut zugänglich, Heizung, Platz für zweite 6 kg-)Gasflasche, Warmwasser, elektr. Selbststeuerung, vernünftige Scheuerleiste (keine Zierleiste), einfacher (= sicherer) Einstieg, geräumige Gangborde auf ganzer Länge, Leinen von der Plicht aus zu bedienen, selbstholende Genuawinschen, Mittelklampen, Fäkalientank, Blitzschutz, Kuchenbude, Winterabdeckung…..
Klingt wie der Weihnachts-Wunschzettel, ich weiß.
Aber da waren eben die Erfahrungen und Wünsche vieler Jahre und Boote drin.
Nachdem die Eckpunkte festlagen, ist uns aufgefallen, dass sich die Auswahl erheblich gelichtet hatte.
Die ursprünglichen Ansichten und Ansprüche wandelten sich allmählich und der Kreis der in Frage kommenden Boote wurde immer kleiner.
Da es ein Boot für viele Jahre und langen Verbleib sein sollte trat die Bewohnbarkeit zu Lasten der Segeleigenschaften etwas in den Vordergrund.
Gerade bezüglich der Stehhöhe machen viele Anbieter falsche Angaben. Selbst viele Eigner, die selbst kleiner sind, haben falsche Vorstellungen von den Innenhöhen in ihrem Boot.
Danach gab es noch etliche Besichtigungen, nun gezielter unter diesen Gesichtspunkten.
Wir haben uns viele Boote angesehen, unter anderem auch eine C 999 in Naarden, eher zufällig. Sie gefiel mir auf den ersten Blick gar nicht so toll, weil sie mir zu hochbordig vorkam.
Die separate Achterkajüte war toll und die Küche, aber der relativ kleine Salon war ungewohnt.
Ich war begeistert von den vielen Möglichkeiten, Sachen unterzubringen, was wir auf anderen Booten meistens vermisst hatten. Außerdem kannte ich die Compromis aus verschiedenen Artikeln und Internet-Beiträgen als „bodenständiges Boot“, zuverlässig und gut zu segeln aber kein Rennboot. Der Komfort und das Segeln haben einen ausgewogenen Stellenwert.
Mittlerweile hatte ich eingesehen, dass wir wohl keine Alternative zur Compromis 999 finden würden und mich mal ausführlicher damit beschäftigt. Es gab sie mit zwei Kielen, 1.50 oder 1,25 tief und zwei Masten, 13.9 oder 12.5 m Durchfahrthöhe.
Tiefer Kiel und kurzer Mast passt für meinen Geschmack nicht zusammen, da stolpert sie über ihre Füße. Kurzer Mast und flacher Kiel sollten zusammen passen. Hoffte ich jedenfalls!
Bis auf den Fäkalientank war der Wunschzettel eigentlich erfüllt.
Die Werft steht auf dem Standpunkt, dass ein Boot von innen nach außen um die Segler herum entworfen werden muss. Wenn deren Wünsche berücksichtigt sind kommt ein (regatta-) erfahrener Konstrukteur ins Spiel, der einen gut segelnden Rumpf darum entwerfen muss. Das scheinen sie ernst zu meinen. Wir haben uns jedenfalls etliche Compromis angesehen. Ungepflegte scheint es selten zu geben. Aber die Preise…
Dann haben wir zugeschlagen, bevor uns noch einer dazwischen kommen konnte. Zu der Zeit waren kaum 999 auf dem Markt, in dieser Kielversion fast gar nicht.
Für mich war es im Nachhinein interessant, zu sehen wie sich unsere Schwerpunkte und Vorstellungen im Laufe der Suche verändert und herausgestellt haben und wir dann letztendlich zu dem Boot gekommen sind, das wir uns eigentlich gedacht hatten.
Wie sehr sich das Mittelcockpit-Konzept vom Standard unterscheidet und was es in der Praxis für Vorteile hat, war mir zu der Zeit überhaupt noch nicht klar.
Nach heutigen Maßstäben ist das Boot auch gar nicht mehr so klotzig. Neben einer modernen Bavaria oder ähnlichem wirkt es fast zierlich. Selbst eine Oceanis 321 ist schon höher im Aufbau.

5 Kommentare zu “Wie es zu der C 999 kam

  1. Ganz genau meine Meinung,
    Eine bessere Dokumentation über ein Schiff habe ich noch nie gesehen! Kompliment!

    ich hatte ab 1992 die Baunummer 118, musste aber 2006 aus der Segelei aussteigen. Nun soll es wieder losgehen, natürlich mit einer 999, auch wenn Ihr Schiff noch eine Serie älter ist (Heckfenster z.B.) aber was solls,

    Wo kann man Ihr Schiff besichtigen?

    Erbitte gelegentlichen Anruf auf 0177 2753 704 oder per Mail
    j.hannich@gmail.com

    J. Hannich, 48465 Schüttorf

    • Nicht dass die ausführliche Darstellung zu Mißverständnissen führt! Brynja steht keineswegs zum Verkauf!
      Die Werft war und ist immer im Kontakt mit Eignern. Verbesserungsvorschläge und Änderungen sind deshalb immer wieder in die Serienproduktion eingeflossen.

  2. Ich kann der Darstellung inhaltlich voll zustimmen. Wir erfreuen uns seit 5 Jahren als Eigner an einer C 999 /Bj. 2000. Als meine Frau und ich uns damals SY ansahen sind wir zufällig über eine C 999 gestolpert. Die Aufteilung und Verarbeitung gefiel uns sofort. Zufällig lag dann unser jetziges Schiff ganz in unserer Nähe zum Verkauf. An der Ostsee sind C-Yachten bisher ja kaum bekannt.
    Wir haben den Kauf bisher nicht bereut und hoffen noch einige Jahre damit Freude zu haben.

  3. Hallo,
    wir haben die SY Brynja am vergangenen Wochenende in Stavoren binnen gesehen. Sah gut aus.
    Wenn das Ihr ehemeliges Schiff gewesen sein sollte, aber der Name ist ja nicht so häufig.
    Beste Grüße
    Thomas Flöer

Kommentar verfassen

Bitte logge dich mit einer dieser Methoden ein, um deinen Kommentar zu veröffentlichen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.