S.Y. Brynja´s Blog

Schlendern unter Segeln

Doppelrot – Törn

Eigentlich…. wollen wir das Boot „mal eben” in seinen neuen Heimathafen Termunterzijl bringen.
Das ist im Rahmen des Osterurlaubs, 01. – 08.04.2015 geplant. Eine Woche ist ja eigentlich reichlich Zeit und die eine oder andere Insel wäre nach unserem Geschmack. Natürlich kommt es völlig anders.

Das Wetter ist schon bei der Abfahrt zuhause nicht nach Wunsch.

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Die ersten beiden Tage sind noch unschön stürmisch, erst am dritten Tag tuckern wir nach Lemmer. Keine Chance zum Segeln, der Wind hat sich in den Tagen davor verausgabt. Ein paar letzte Blicke auf das vertraute Urk

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und die Fortschritte beim Windpark.

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In Lemmer macht Ebi dann kurzen Prozess mit unserer Bordelektrik. Ich hatte mir vorgestellt, er würde mal eben ein paar Kleinigkeiten ändern und dann wäre unsere Elektrik wie neu. Er hat da offenbar realistischere Vorstellungen…

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Ihm beim freizügigen Gebrauch des Seitenschneiders zuzusehen ist nichts für schwache Nerven! Aber das Ergebnis gibt ihm natürlich Recht!

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So ist es mittlerweile Oster-Sonntagmorgen, als wir uns auf den Weg machen. Noch einmal gemütlich durch Lemmer, das sich mächtig in der Umgestaltung befindet

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und dann den langweiligen Prinses Margriet-Kanal.

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Ich hatte keine richtige Planung für den Törn gemacht, muss ich gestehen. Abends kommen wir an eine Brücke, die Doppelrot zeigt, obwohl sie das nach den Unterlagen gar nicht durfte. Ein Schild verwies auf eine Telefonnummer, hinter der aber nur ein Automat steckte. Wir warteten noch ein bisschen vergeblich und verkrümelten uns dann in einen nahegelegenen Miniaturhafen.

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Vorsichtshalber machen wir gleich in der Einfahrt fest. In diesem Hafen hatte ich nämlich vor vielen Jahren schon mal mit 1.60 Tiefgang festgehangen.
Nachdem wir gerade von weither Strom gelegt haben, erscheint der Hafenmeister in dem ansonsten menschenleeren Hafen. Er schwört, es wäre überall zwei Meter tief und wir sollen zu einem der beiden Passantenplätze verlegen. Das machen wir und haben dafür Strom und Sanitär direkt am Boot.
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Am nächsten Morgen geht es weiter Richtung Leeuwarden.

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Wir hatten es schon fast geahnt, Punkt zwölf Uhr zeigt uns dort die Noorderbrug Doppelrot. Der Brückenwärter macht Mittagspause. Das war uns letztes Jahr in Gegenrichtung schon an genau derselben Stelle passiert. Also machen wir auch eine (zu) großzügige Mittagspause.

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Das rächt sich in Dokkum, wo wir wieder pünktlich zur Kaffeepause des Brückenwärters ankommen. Erneut Doppelrot also…

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Mit dem 1.80 tief gehenden Ruderblatt haben wir zunehmend häufig Bodenkontakt. Das Schwert hatten wir sowieso schon etwas hoch geholt, 2.30 wären auf der Route vermessen.

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Wir machen einen Stadtrundgang und fahren anschließend etwas angespannter und zügiger weiter. Nach Möglichkeit wollten wir wenigstens noch die restlichen Brücken und Schleusen vor dem Lauwersmeer schaffen.
Diesmal klappt es, auf die letzte Minute, 19 Uhr! Kein Doppelrot diesmal. Wir fahren in den Jachthaven Lunegat.

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Auch dort sind wir die einzigen Passanten, aber immerhin ist Sanitär offen und Strom vorhanden. Abends kommt ein netter Mensch vorbei. Er erkennt trotz des neuen Namens sofort das Boot und erzählt uns einiges über seine Geschichte.
Morgens sind die Stege, wie schon mehrfach, weiß von Frost. Viel schlimmer ist aber der dichte Nebel, manchmal sind es kaum 50 m Sicht.

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Versuchsweise fahren wir langsam und ganz vorsichtig los. Viel Betonnung gibt es nicht, dabei wären wir für jede Orientierung dankbar! Wieder gibt es zunehmend flache Stellen, bis zu 1.5 m. Es reicht mir und ich nehme Schwert und Ruderblatt ganz hoch. Es stellt sich allerdings heraus, dass dadurch der Ruderdruck auf die Pinne gewaltig wird.
Nach einiger Zeit wird die Sicht allmählich besser. Dafür gibt es jetzt gar keine Betonnung mehr. Wir begegnen dem Tonnenleger, der das hoffentlich in nächster Zeit ändern wird.

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Mittags kommen wir an eine Schleuse, die grundsätzlich offen steht. Allerdings führt eine Brücke darüber und die zeigt, na was wohl..  Doppelrot! Per Funk erfahre ich etwas von Pause. Also machen wir fest und warten und warten. Schließlich werden eindreiviertel Stunden daraus, warum auch immer.
Offensichtlich ist noch keine richtige Saison. Wir fahren weiter, ungewohnt kurvenreiche Strecken. Der Kanal mäandert durch eintöniges flaches Land.  Ab und zu eine Brücke, aber das Öffnen klappt spätestens nach Anmeldung über Funk immer ohne Wartezeiten.
Schließlich sind wir im Anflug auf Groningen.

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Am Stadtrand noch eine verträumte kleine Schleuse und dann zur nächsten Brücke. Wir sind prima in der Zeit, es ist erst halb fünf.

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Aber auch diese Brücke zeigt uns Doppelrot. Sie wird bis Ende April nur bis 16 Uhr bedient.
Also machen wir am Wartesteg fest. Mangels Landstrom stelle ich den Kamin des Refleks-Ofens wieder auf und nach einigen Fehlversuchen haben wir es muckelig warm.

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Ich nutze die Gelegenheit und tausche die Pinne wieder gegen das Steuerrad aus. Schließlich wollen wir in dieser Saison oft mit möglichst wenig Tiefgang unterwegs sein und das ist mit dem Ruderdruck auf die Pinne weder angenehm noch sicher.

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Auch nachts darf der Ofen bei Temperaturen wenig über Null durchheizen und uns morgens gleich das Kaffeewasser heiß machen.

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Morgens wieder dichter Nebel und Kälte. Die weiße Brücke hebt sich kaum vom Nebel ab. Ab neun Uhr wird die Brücke bedient und weiter geht’s. Der Ofen bleibt noch ein paar Stunden an, wir kommen uns herrlich dekadent vor mit Innensteuerung und Wärme!

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Die nächste Brücke zeigt schon wieder Doppelrot! Von irgendwoher höre ich Zähneknirschen…
Kurze Nachfrage über Funk und schon wird Rot-Grün gezeigt. Wieder eine Brücke weiter erneut Doppelrot und das gleiche Spiel. Dann sind endlich alle wach.
Es geht zügig weiter, wir brauchen uns gar nicht zu orientieren. Da wo das nächste Rot-Grün zu sehen ist müssen wir jeweils hin. Die Brückenwärter sind gut gelaunt und zu Scherzen aufgelegt, wir auch. Die Fahrt durch Groningen hat was.

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Man fährt noch intimer durch die engen Grachten als in Leeuwarden oder Amsterdam. Nach einer guten Stunde haben wir die Stadt hinter uns, der Eemskanaal nach Delfzijl ist wieder langweilig.

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Der Hafen von Delfzijl vermittelt richtiges Seehafen-Gefühl, wenn auch in der Bonsai-Version. Wir beschließen, dort zu übernachten. Nach Termunterzijl ist es zwar nur noch eine Stunde, aber gerade wegen der Nähe kommen wir wahrscheinlich so schnell nicht wieder nach Delfzijl.

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Wir stellen fest, dass man hier sehr gut einkaufen kann, das Stadtzentrum ist unmittelbar am Jachthafen Neptunus.
Der nächste Morgen beginnt mit strahlendem Sonnenschein, aber nach kurzer Zeit kommt von See her wieder dichter Nebel. Die einzige Gastyacht außer uns läuft nach einiger Zeit aus, kommt aber bald wieder zurück.

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Wir haben es nicht eilig, wegen der Gezeiten wollen wir sowieso erst mittags los. Rechtzeitig lichtet sich der Nebel und es wird rasch ein schöner warmer Sommertag.

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Die eigentliche Ansteuerung von Termunterzijl bringt noch eine Überraschung. Die äußersten und die innersten Bakenpaare sind erkennbar. Von den Baken dazwischen sind nur einige dürre Stiele zu sehen, ohne Toppzeichen.

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Man darf raten, zu welcher Seite sie gehören. Da sie auf überspülten Steindämmen stehen und deutlich Querstrom herrscht hat die Angelegenheit einigen Reiz.

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Aber alles geht gut und kurz darauf sind wir in unserem, noch fast leeren, neuen Heimathafen.

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Unterm Strich ist es natürlich vor allem schade, dass wir nicht einmal ein Segel benutzen konnten. Bei schönem Wetter und zumindest gelegentlichen Segel-Einlagen wäre es gar kein schlechter Urlaub gewesen. Mit der C 999 wäre es ein kalter ungemütlicher Törn gewesen, unter solchen Bedingungen haben dekadente Innensteuerung und Heizung natürlich etwas für sich. Und trotzdem zieht es uns bei jeder Gelegenheit nach draußen, auch wenn man sich warm anziehen muss.
Mit mehr als 1.70 Tiefgang kann man auf der Strecke ein paar kleine Überraschungen erleben, aber nichts Dramatisches. Schließlich ist alles weicher Modder. Mit dem Schwert auf 2.30 m konnte man allerdings ab und zu auch mal harte Gegenstände „ertasten“. Aber da es in solchen Fällen nachgibt ist das nicht problematisch.
Für den Funkverkehr reichte auf der ganzen Strecke die Handfunke aus, auch bei den fernbedienten Brücken und Schleusen.
Apropos: von Lemmer nach Delfzijl hat man es mit etwa 50 Brücken und Schleusen zu tun. Durch die gute Infrastruktur und Organisation ist das aber problemlos. In Groningen knubbelt es sich besonders, da sind es 15 Brücken ziemlich dicht hintereinander. In der Saison werden die passierenden Boote zu Konvois zusammengefasst, weil man natürlich nicht für jedes einzeln die Brücken bedienen kann.
In Lemmer, Leeuwarden und Dokkum mussten wir jeweils Brückengeld bezahlen, noch so richtig klassisch in den Klompen (Holzschuh), den der Brückenwärter an der Angel hin hält.

Ein Kommentar zu “Doppelrot – Törn

  1. Sehr schöner Bericht, lebhaft geschrieben. Ihr wurdet sicher einige Male auf die Geduldsprobe gestellt! Viel Spaß und viel Glück wünsche ich euch in eurem neuen Heimathafen.

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