S.Y. Brynja´s Blog

Schlendern unter Segeln


Ein Kommentar

Admiralssegeln beim Hafentag Ketelhaven

Am 10.05.14 war Hafentag anlässlich des 45. Hafen-Geburtages.
An Stelle der traditionellen Regatta wurde diesmal ein Admirals-Segeln abgehalten. Das ist in den Niederlanden eine viele Jahrhunderte alte Tradition. Der Admiral war genossenschaftlich gewählt, kein militärischer Titel.
Da wir voriges Jahr schon vorwitzig zugesagt hatten kamen wir aus der Nummer nicht mehr raus. Bei dem Wetter wären wir sonst gar nicht zum Boot gefahren.
Wir waren übrigens das einzige deutsche Boot, für Lemmerlinge wohl gar nicht vorstellbar!

Auf dem Ketelmeer war ein Rechteck von ungefähr einer halben Seemeile Kantenlänge ausgetonnt, angeblich jedenfalls. Tatsächlich habe ich nur eine dieser Tonnen gesehen.
Es ging darum, westliche, südliche und östliche Kante in Kiellinie und vorgegebener Reihenfolge zu befahren. Die Flotte war in 9 Eskaders mit je durchschnittlich 5 Booten aufgeteilt. Das erste Boot jedes Eskaders war der Eskadercommandant. Er sollte mit Hornstößen angeben, wann welche Manöver ausgeführt werden.

So war es geplant:

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Die Segelboote waren von 6.50 bis 12.80 m groß. Es regnete fast ständig, mal mehr, mal weniger waagerecht. Der Wind war im Schutz der Insel gerade mal drei, weiter davon weg bis 6.
Erst sollen drei Kanten in Kiellinie gefahren werden, Eskader nach Eskader, Bootsabstand etwa eine Bootslänge, 4 Knoten, Groß mit zwei Reffs, Vorsegelgröße beliebig.
Dann drehte jedes Eskader um 90 Grad in eine Dwarslinie, am Admiral vorbei, der auf der ankernden Kamper Kogge die Parade abnahm.

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Beim Passieren des Admirals musste das Vorsegel so schnell wie möglich eingeholt werden, dann der Admiral stramm gegrüßt. Wenn er korrekt zurück gegrüßt hatte musste nach Leibeskraft gejohlt werden, wohl damit es nicht zu ernst genommen wurde. Dann schnell das Vorsegel wieder setzen und vor dem nächsten Wendepunkt in Kiellinie übergehen.
Danach ging es über die Diagonal- und zwei Seitenlinien wieder zu einem Punkt, wo in Dwarslinie übergegangen und an der Kogge vorbei gefahren wurde.
Weil zu viel Wind war nahm unser Eskader die Großsegel ganz runter und fuhr nur mit Vorsegeln. Wir waren sonst zu schnell.
Der Motor musste sowieso mitlaufen, auch das gehörte dazu.

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Vorher gab es natürlich die Besprechung, der Vlootvoogd immerhin mit Zweispitz und der Admiral (es war der Bürgermeister von Kampen) noch admiralsmäßiger gekleidet.

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Die Stunde Training, die jedes Eskader vorher machen sollte, fiel buchstäblich ins Wasser. Die Sicht war meistens lausig, die Boote kannten sich ja gegenseitig nicht, man musste erst mal zusammenfinden. Funk war nur im Notfall erlaubt. Dann hatten wir gerade die passende Besegelung abgesprochen und waren endlich in der richtigen Reihenfolge, als es auch schon losging, Also nix mit Training, learning by doing.

Wichtig war:
Es gab keine Havarien, keine Herzinfarkte, alle hatten einen Heidenspaß an dem ungewohnten Theater.

Nicht ganz so wichtig war:
Kiellinie und Dwarslinie sind ein weiter Begriff…

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Und ich bin beim Segeln schon lange nicht mehr so nass geworden.

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Die Plotter-Aufzeichnung hatte mit der Plan-Skizze eher prinzipielle Übereinstimmungen.

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Die Koggen-Besatzung hatte es nachmittags tatsächlich geschafft, diesen 22 m-Brocken in unseren Hafen zu zirkeln, Respekt!

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Da konnten wir ihn, bei strömendem Regen natürlich, ausgiebig besichtigen.

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Wir hatten ausnahmsweise über die Toppen geflaggt. Wahrscheinlich sind unsere Signalflaggen dabei erstmals seit 40 Jahren gelüftet und gründlich durchgespült worden.

Abends war dann das Wetter, das wir uns vorher gewünscht hätten.

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